»Wie selbstsicher sie ist, Christoph, und wie schlicht. Ich freue mich mit dir über die Helle in deinem Haus. Die stammt alleweil noch von dem Sonnenkrönlein in ihrem Haar.« Und dann begann er, in stundenlangen, fachmännischen Erörterungen dem gespannt lauschenden Bruder und Freund ein Bild seiner Werftanlage zu geben und seiner wirtschaftlichen Pläne, und der Abend nahte und brachte die junge Doktorin heim, die strahlend von der Einfahrt eines neuen Weltbürgers zu berichten wußte und mitten im Satze abbrach und aus der Türe lief. Denn draußen hatten die Hupen von zwei sonntäglichen Kraftwagen ein Lärmen erhoben, und ehe sich’s Martin Opterberg versah und sich zurechtzufinden wußte, fühlte er sich in einen Knäuel von jubilierenden Menschen verwickelt, die ihn umarmten, ihm die Hände schüttelten, ihn kräftig auf die Wangen küßten und allesamt auf ihn einredeten. »Mein Gott,« stieß er endlich hervor, »seid ihr es wirklich?«

»Wirklich und wahrhaftig, Fleisch und Bein, Jugend und Schwarzwald, Burschenschaft und gut Freund allzeit und allwege,« riefen und lachten die Tillmann, Grüters und Broich mit ihren Frauen im Wettbewerb durcheinander. »Eingefangen bist du, Weltflüchtling. Auf Gnade und Ungnade. Die Frau Doktorin hat’s recht gemacht. Eingelullt hat sie dich, mit Chloroform oder Liebreiz, und uns inzwischen durch den Fernsprecher von Düsseldorf hergerufen. Die Klarenbachschen Kraftwagen schafften’s in einer guten Stunde, als wir erst den Überfalltrupp beisammen hatten. Martin! Martin Opterberg! Wie ein verwunschener Prinz schaust du aus!«

»Und die bezauberndste Frau sollst du haben rheinauf und rheinab,« rief der begeisterte Tillmann in Studentenseligkeit.

»Laß das!« gebot seine Gattin Elfriede scharf, und im Gelächter der Zuhörer ging der kurze, eheliche Auftritt unter.

»Wenn ich schon nicht,« knurrte Tillmann verlegen, »von schönen Frauen sprechen darf, so gebt mir Wein, und die Frau Therese soll die Laute nehmen.«

Rund um den Tisch saßen sie, auf den eine Bowle hingezaubert stand, und sahen sich in die Augen und suchten und fanden sich, und die Gläser klangen aneinander, wurden geleert und wieder gefüllt, und als der ersten Wiedersehensfreude genug getan war, sang Frau Therese zur Laute.

Wie entrückt saß sie, die weiche Wange an den Lautenhals geschmiegt, und lauschte beim Singen hinein und hinaus … Und langsam fand sich unter den Männern und Frauen Hand in Hand …

»O academia!« jubelte Tillmann auf. »O academia — —«


Monate hindurch zehrte Martin Opterberg von diesem Tag, von diesem Abend. Der Schnee lag auf den weiten Breiten am Niederrhein, und die Kopfweiden am langgestreckten Stromufer spiegelten ihre Hauben in dem schwerfällig fließenden Wasser. Tot war das Land. Heißer wurde das Leben in den Häusern der Menschen.