»Ah,« machte Sabine Opterberg, »unser berühmter Volkstribun. Wenn sich Ihr Blitz und Donner nicht auch gegen eine schlichtbürgerliche Küche richtet,« fügte sie in Schelmerei hinzu, »so halten Sie mit und seien Sie der dritte im Bund.«

Der Gast nahm die Einladung mit großem Danke an, und so einsilbig Martin Opterberg bei Tische verharrte, so ritterlich und gewandt wußte der Fremdling die Unterhaltung zu führen.

»Ich werd’ Sie bekehren,« beteuerte die heitere Hausfrau, »ich werd’ Sie meinem Manne als einen Sünder zu Füßen legen, über den im Himmel eitel Freud’ herrschen soll.«

Von Stund’ an gehörte der Doktor Friedrich Radermacher zu den Besuchern des Hauses. Meist erschien er, wenn der Hausherr auf seinem Werftplatz in Anspruch genommen war. Martin Opterberg fühlte es bei der Heimkehr jedesmal an dem fahrigen und sprunghaften Wesen seiner Frau. Und plötzlich, mitten in einer alle Geisteskräfte erfordernden Arbeit, überfiel ihn ein grauenhafter Verdacht. Ein Verdacht, der seinen Mannesstolz rüttelte und schüttelte und ihm einen Geschmack wie Blut auf die Zunge legte. Er schob Papier und Zeichenstift von sich. Aus seiner Stirn brach eiskalter Schweiß.

»Pfui Teufel,« sagte er zu sich selber. Aber das Herz hämmerte wie rasend und quoll ihm bis in den Hals. Da ging er heim und sah aus der Tür seines Hauses den Doktor Radermacher treten.

Sabine Opterberg stieß einen kleinen Schrei aus, als er so unvermutet im Zimmer erschien.

»Wie du mich erschreckt hast. Es ist doch nichts vorgefallen?«

»Vorgefallen? In einem ordentlich geführten Geschäftshaus?« Er schüttelte den Kopf und ging in sein Arbeitszimmer. »Ich will in Ruhe eine Berechnung machen. Du gehst wohl aus?«

Und dann saß Martin Opterberg die halbe Nacht, und die Schauer rüttelten und schüttelten ihn nur immer stärker, bis er aufsprang und die Arme gegen den tobenden Ansturm der Zerrbilder reckte.

»Wenn es wahr wäre — was würdest du tun?«