»Den Mann vor die Waffe nehmen? — Zuviel der Ehre für den Mann und das Weib, und Unehre für den Genarrten.«

»Das Weib auf die Straße jagen? Dem Liebhaber gar in die Arme? — Wo blieb’ die Strafe?«

Blutrot trat ihm der Grimm in die Augen.

»Noch weißt du es nicht!« schrie in ihm eine Stimme.

»Und wenn du es wüßtest?« beharrte bohrend eine andere. »Wenn du es wüßtest, du nähmst aus der Lade dort die ledergeflochtene Hundepeitsche und griffest, wo du sie fändest, Mann und Weib, nackt und bloß, und peitschtest den Mann vor den Augen des Weibes, und das Weib vor den Augen des Mannes, daß sie sich hinfort nicht mehr in die Arme nehmen könnten aus Ekel vor dem gezüchtigten Körper des anderen. Und weil es der andere ansehen mußte.«

Ganz kalt, ganz ruhig stand Martin Opterberg in seinem Arbeitszimmer. —

Draußen aber wurde es Frühling, und ein Frühlingswunder meldete sich im Hause Christoph Attermanns. Am jungen Rhein ließ Frau Christiane den Opterberghof unter der Obhut Linde Baumgarts, die der Schwester so ähnlich sah und nur fröhlicher war im Gemüt, und fuhr an den Niederrhein, um Therese Attermann in ihrer schweren und schönen Stunde eine Hilfe zu sein. Eine Nacht blieb sie zu Gast im Hause ihres Sohnes Martin. Ihre klaren Augen weiteten sich, als sie Sabine wiedersah. Mit einem Blick durchschaute sie das fahrige, sprunghafte Wesen der Überlauten.

»Schaff Ordnung in deiner Frau,« sagte Frau Christiane hart, als sie in der Morgenfrühe von ihrem Sohne Abschied nahm.

»Mutter, du kannst mir alles sagen. Ich bin nicht schonungsbedürftig.«

»Sie spielt Theater, Martin. Aus einem Liebesgeflacker heraus, oder nur, weil sie ihr eigenes Stück und sich selber spielt.«