»Ich bitte um Verzeihung, Herr Professor. Wollen wir meinen Vater, wollen wir alle einstmaligen Familienbeziehungen aus dem Spiele lassen. Dient es zu Ihrer Beruhigung, so kann ich Ihnen sagen, daß mir die Zeiten sehr hell und freundlich erscheinen.«

Da merkte der Professor, daß der warme Ton der Empfindungssaiten hier nicht mehr am Platze wär’, und der alte Glücksjäger ließ auf der Stelle von dem unerreichbaren Hochwild ab und wandte sich der Hasenjagd zu.

»Sie wollen es so. Ich wasche meine Hände in Unschuld. Schon einmal haben Sie mir den geschäftlichen Ton aufgedrängt, als es sich um die Bezahlung von Anschaffungen handelte, die meine Tochter lediglich zu Ihrem Vorteil in Verwendung genommen hat. Lediglich, jawohl, lediglich,« fügte er mit Betonung hinzu, als er auf dem ruhigen Gesicht seines Gegenübers ein verloren Lächeln erscheinen sah. »Und wie damals Ihr Gerechtigkeitsempfinden Sie nicht erst zu den ritterlichen Anschauungen zu bekehren brauchte, so bau’ ich auch heute darauf und heute mehr denn je.«

»Sie wissen, daß ich von meiner Mutter her für Humor immer empfänglich bin. Fahren Sie fort.«

Der Professor starrte ihn an. Seine weltmännische Sicherheit geriet ins Wanken, und er mühte sich sichtlich um Fassung.

»Für Humor? Habe ich recht verstanden? Hier sitzt ein tieferschütterter Vater, und Sie gewinnen der Stunde die heitere Seite ab? Oh, jetzt verstehe ich manches.«

»Wenn Sie manches verstehen, Herr Professor,« sagte Martin Opterberg mit einigem Nachdruck, »so werden Sie auch schnell das eine verstehen: daß es vorteilhafter für Sie ist, ich gewinne der Stunde die heitere Seite ab als die ernste. Der auf Rettung eines schwankenden Buchpostens bedachte Handelsmann hat für mich immer noch einen Anreiz. Der tieferschütterte Vater ist eine Posse. Wie wünschen Sie nun, daß ich die Stunde auffasse?«

»Sie sind also erbötig, meiner Tochter eine ausreichende Jahressumme auszusetzen?« nahm der Professor hastig das Wort auf. »Ich wußte es ja, daß man sich unter Ehrenmännern schnell verständigen würde.«

»Was die anwesenden Ehrenmänner anbetrifft, so muß ich Ihnen leider eine Enttäuschung bereiten. Ich rechne mich nicht zu ihnen. Und was die Ausstattung und Unterhaltung verwahrloster Frauen anbetrifft, so geht mein guter Geschmack andere Wege.«

»Dürfte ich — dürfte ich diese anderen Wege erfahren?«