»Weil dem erwachsenen Mann und dem Vater der großen Buben der Knabenleichtsinn nicht mehr zu Gesicht stand, und weil’s immer noch nahrhaft Schwarzbrot zu erarbeiten gibt, wenn’s für Schaumwein und Forellen nimmer langt.«
Am Abend saßen sie beim Posthalter zu Splügen. Frau Christiane hatte den Wirt insgeheim nach einer Depesche befragt und sie erhalten. Als sie den Inhalt gelesen hatte, kehrte sie ruhig zu den Knaben zurück.
»Morgen fahren wir mit dem Postwagen die Straße zurück und gar bis Chur. In Chur nehmen wir die Eisenbahn bis zum Einfluß des Rheines in den Bodensee, und über den See, ihr Buben, sollt ihr im Dampfer, von Rorschach bis Stein am Rhein, ja bis zum Rheinfall von Schaffhausen fahren. Dann geht’s mit dem Bähnlein heim über Waldshut und Säckingen, ganz heim. Zufrieden?«
Und die jubelnden Knaben spürten nicht den stillen Ernst, der um die Frauenaugen spann. —
Es war ein Sonntagabend, als Frau Christiane mit den Knaben den Zug verließ, um in die geräumige Kutsche des Gutshofes zu steigen. Sie hatten noch eine Stunde Fahrt über Land, und Frau Christiane gebot dem Knecht, der kühlen Nachtluft wegen den Landauer zu schließen. Drinnen im Wagen nahm sie die Knabenhände in die ihrigen.
»Jetzt erst fahren wir heim.«
»Soll ich die Nacht bei der Frau Pate bleiben?« fragte Christoph Attermann.
»Du sollst jetzt immer bei uns bleiben, Christoph.«
Der junge Attermann fuhr auf. Er hatte sofort begriffen.
»Der Vater ist tot?! Er ist tot?!«