»Soll auch ich Teilhaberin werden?« fragte sie und sah ihm still in die Augen.
»Du brauchst es nicht erst zu werden. Du bist es. Seit du auf unseren Wanderungen unsere Teilhaberin warst. Aber du müßtest dein ärztliches Tätigkeitsfeld verlegen und hast es dir gerade erst so tapfer geschaffen.«
»Ich verlegte es nach Sibirien, wenn es hieß’, mit euch zusammenzubleiben. Wegen des Wiederaufbaus mach dir keine Sorgen. Mein Mut gibt nimmer nach.«
Da beugte sich Martin Opterberg über die Hand, die auf dem weißen Kinderbettchen lag, und führte sie andächtig an seine Lippen.
Sie aber hob mit der freien Hand sein Kinn empor und küßte ihn. Und das Kind lag zwischen ihnen und reckte nach ihnen die Ärmchen.
»Wie soll es heißen, Therese?«
»Linde soll es heißen. Einen lieberen Namen gibt es nicht.«
Die Männer gingen in Christoph Attermanns Arbeitsstube hinüber, und hier faßte Martin Opterberg den Pflegebruder an den Armen.
»Ich muß es dir noch sagen, Christoph, als meinem alten Bruder und meinem neuen Teilhaber, damit du in mir allzeit klarsiehst. Ohne die Mutter hätt’ ich’s nicht geschafft, und mir ist auch jetzt noch zuweilen, als ob ich’s nicht hinunterwürgen könnt’, wenn sie erst wieder heim ist. Nicht die betrogene Liebe. Das war eine Verwirrung der Sinne und eine Überrumpelung des Bluts. Aber den Betrug am anständigen Menschen und das Gefühl, das mich des Nachts am Atmen behindert und mir den Schweiß der Schmach und der Scham auf die Stirne treibt, das Gefühl: da laufen ein paar Menschen auf der Erde herum, die einen Hohn auf deinen Mannesstolz bedeuten, wenn sie grinsend vor dir auftauchen.«
»Martin, es wird übergehen. Wie die Schmach und Scham in Verachtung übergehen wird.«