»Glaubst du an einen Krieg, Martin?«

»So sicher, wie ich im Menschen an Neid und Habgier glaube.«

»Und du stimmst ihm zu?«

»Kein vernünftiger Mensch stimmt einem Kriege zu, der zu vermeiden ist. Ist er aber nicht zu vermeiden und geht es um unseres Volkes Sein oder Nichtsein, so muß er mit allem, was in deutschen Herzen, Hirnen und Fäusten steckt, geschlagen werden, und ein Verbrecher am Volkstum wäre, wer den Augenblick verzögerte und uns die Sturmflut über den Kopf kommen ließe. Denn sie werden nicht fein säuberlich umgehen mit dem Knaben Absalom.«

»Der Absalom war nicht der bravste Knabe, Martin, und arg üppig geworden.«

»Unter uns gesagt, Mutter: das trifft auch auf uns zu. Auf ganze Volksklassen, Christen und Juden. Es ist uns mehr als ein Menschenalter zu leicht geworden und zu gut ergangen, und so hat der Geist des Materialismus bei uns Einzug halten können, der dem reindeutschen Wesen innerlich fremd war. Wir Deutschen brauchen den Druck, um unsere Muskeln hart zu halten, die Gefahren, um sie immer wieder zu überwinden, die Arbeit, um den Genuß am Festefeiern nicht zu verlieren. Nicht das öde Geldmachen um jeden Preis und die blöde Schlemmerei, die bei allen Völkern und zu allen Zeiten zur Geilheit im Leben und in der Kunst führt. Geilheit ist Aufsaugung der gesunden Säfte, Mutter, das weißt du aus Garten und Feld am besten, und ich weiß es von den Menschenklassen, die die tonangebenden heißen, weil sie den falschen Ton angeben. Die Vergeilung wuchert wie Schierling durch das Land, und wenn uns der Krieg von dieser Pest befreit und uns wieder zur Gesundung des Volkskörpers führt, so ist er selbst mit Blut nicht zu teuer bezahlt.«

Frau Christiane grübelte den Worten nach.

»Ein glücklicher Krieg, Martin. Ein unglücklicher würde das Unkraut über die Halme wuchern lassen.«

»Mutter,« sagte Martin Opterberg, »da sei Gott und die deutsche Urkraft vor, daß es ein unglücklicher wird. Träfe es aber zu, was du für diesen Fall aussprichst, so wäre es ein Beweis, daß wir trotz aller unserer Errungenschaften die vornehmste noch nicht gefunden hätten, die allein die Achtung der Welt herausfordert. Ich meine die Würde eines großen Volkes, die sich gerade in Leid und Unglück als wurzelecht erweisen muß. Das Familienbewußtsein des ganzen deutschen Volkes mein’ ich, Mutter.« — —

Die Schwalben waren fort vom Niederrhein, und auch Frau Christiane rüstete zum Heimflug. Denn ein paarmal schon hatte Martin Opterberg die Mutter gefragt, ob denn die Kraft des Lindele allein der Fülle der Herbstarbeit gewachsen wäre und ob sie nicht Schaden leiden würde. Da wußte Frau Christiane die Gedanken des Sohnes im rechten Gleis, und sie hütete sich, eine zweite Dummheit zu begehen.