In der ersten Oktoberwoche reiste sie heim. Attermanns waren eingetroffen.

Das erste war, als sie ihr Nest eingerichtet hatten, daß der Frau Doktor ärztliches Schild an der Türe angeschlagen wurde.

Darauf hatte Martin Opterberg gewartet. Er läutete die Arztglocke und trat ins Sprechzimmer.

»Du bist’s?« fragte Frau Therese und trat ihm mit ausgestreckten Händen entgegen. »Ich hoff’, du bist gesund?«

»Therese,« sagte Martin Opterberg, »ich hab’ dir die Gebühr für die erste ärztliche Behandlung in Freiburg noch nicht entrichtet und bin dir schmählich mit dem Wickelverband durchgegangen. Meine Werksleute wollen aber eine solche Unanständigkeit nicht leiden und haben gefordert, dich als Werksärztin zu sehen, für sich und ihre Familien. Ich entgeh’ dir also nicht, weder mit der Gebühr, noch mit Herz und Gliedern.«

Therese Attermann hob das Haupt. Das Sonnenkrönlein funkelte in ihrem Haar, wie es in dem Braunhaar der Therese Baumgart gefunkelt hatte.

»Gut,« sagte sie. »Ich fühle dir von Zeit zu Zeit den Puls. Du stehst nun unter meiner Botmäßigkeit.«

Und dann fiel sie ihm in mädchenhafter Freude um den Hals.

11

Das Werk war vollbeschäftigt. Um die Kräfte zu keiner Stunde feiern zu lassen, war auf Christoph Attermanns Betreiben eine Werft für Umbauten und Ausbesserungen angegliedert worden, die von den rheinischen Reedern stark in Anspruch genommen wurde. Da gab es Arbeit in Fülle, und die Meister und Gesellen bis zum letzten Lehrjungen fragten längst nicht mehr nach der Länge des Arbeitstages, sondern spornten sich fröhlich an, denn jeder Schlag des Hammers und jeder Feilenstrich erhöhte ihren Anteil am Gewinn und brachte ihnen die Arbeit ihrer Hände näher.