»Und nun glaubst du, die Wetter ziehen sich zusammen und der Krieg steht vor der Tür?« fragte Christoph Attermann.
»Die Zeichen sind untrüglich,« entgegnete Martin Opterberg. »Das Ausland gibt keine Aufträge mehr herein, noch nimmt es Bestellungen entgegen. Dafür besteht es auf beschleunigter Zahlung der noch offenen Posten. Es handelt offensichtlich nach Weisungen von oben. Nur für den deutschen Geschäftsmann gibt es keine Weisungen. Nur Wiegenlieder.«
»Was schlägst du für die Werft vor, Martin? Verkleinern?«
»Vergrößern!« rief Martin Opterberg und sprang vom Stuhl auf. »Vergrößern, so lang es noch Zeit ist. Das letzte Geld hineinstecken, um sie auszudehnen, soweit wir kaufen können. Theresel, schau mich nicht so entsetzt an, als hieltst du mich leibhaftig für einen Börsenspieler. Ein guter Haushalter denkt über den Tag hinaus, wenn von seinem Tun und Lassen das Schicksal von Hunderten von Angestellten, von Hunderten von Familien abhängig ist. Ich will Vorsorge treffen, daß sie, mag’s gerad oder schräg gehen, eine Scholle zum Hausen vorfinden und eine Arbeitsstätte, auf der sie schaffen können. Im Straßendreck gibt’s keine Wiedergeburt.«
»Martin,« warf Christoph Attermann ein, »die vergrößerte Werft wird vergrößerte Betriebskosten fordern. Woher die Summen nehmen, wenn wir alles ins Gelände stecken?«
»Woher? Nun, so gib acht. Während eines Krieges wird die Werft ruhen, so gut wie ruhen. Unsere Leute werden ins Feld müssen, wie wir ins Feld müssen. Bis auf die alten. Die Verbleibenden führen Umbauten und Ausbesserungsarbeiten an fremden Schiffen aus. Der Frachtdampfer aber, den wir auf eigene Rechnung bauen, bleibt liegen, bleibt als unser Grundstock liegen. Ob wir ihn nach Kriegsende verkaufen oder selber damit auf Fahrt gehen — er wird uns bessere Betriebskosten hereinbringen als die Papierscheine, die nach jedem Krieg eine Entwertung finden. Wir aber erhalten Hunderten von Menschen den Zukunftglauben und die Lebensfreude.«
Therese Attermann trat auf ihn zu und reichte ihm die Hand.
»Weshalb hast du mich vorhin verkannt, Martin, wo du doch weißt, daß wir eins sind?«
»Weil ich gerad dies Wort von dir hören wollt’, Therese. Ich hab’ zuweilen eine kleine Sehnsucht nach so einem lieben Frauenwort.«
Christoph Attermann aber saß bereits über dem Geländeplan, maß und rechnete. Wie Zahnräder packten seine und Martin Opterbergs Gedanken ineinander und wurden Ausführung. Das war seit der Bubenzeit, das war Frau Christianes Blut und Erziehung und nie anders geworden.