»Mutter —,« wiederholte Martin Opterberg nur. Und dann nahm er das Mädchen in den Arm und wußte nicht: war es sein Blut, das in ihm aufsprang und in seinem Ohre sang, oder war es das ihre?
»Wann wird es sein, Bub?«
»Ich denk’, schon in Tagen.«
»Dann muß ich morgen wieder heim auf den Hof. Ein jedes an seinen Platz. Und die Linde kann den Verbindungsoffizier machen.«
»Ich werd’ die Attermanns herüberrufen, Mutter.«
Christoph und Therese Attermann kamen eilig auf den Fernsprechanruf herbei. Die Schwestern traten sich mit zuckenden Lippen entgegen. Ihre Augen waren feucht. »Du — Du!« stießen sie hervor und hielten sich in den Armen.
»Ihr beide sollt ja gar nicht Abschied nehmen,« sagte Frau Christiane, und ein Lächeln glitt um ihren Mund. »Die Buben gilt’s, ihr Mädchen.«
Keine Minute dieses Tages waren die fünf Menschen voneinander getrennt. Bis in die Nacht hinein saßen sie beieinander und besprachen die Pflichten, die einem jeden erwuchsen. Auf Therese Attermann fiel das schwerere Teil. Wenn die benachbarten Ärzte einberufen wurden, mußte sich ihre ärztliche Tätigkeit verdoppeln und verdreifachen. Dazu würde sie dem Namen nach als Geschäftsführerin der Werft bestellt werden. Dort und im Hause sollte die Schwester helfend eingreifen.
»Auf dem Opterberghof ist es nicht anders als hier und im ganzen Land,« setzte Frau Christiane hinzu. »Das Aufgebot geht an die Frauen wie an die Männer. Ich werd’ die Arbeit schaffen, wie ihr sie schaffen werdet, ihr Mädchen. Wenn unsere Buben heimkehren, wollen wir uns nicht schämen müssen, als wären wir Frauensleut’ nur zum Vergnügen auf der Welt.«