»Das muß sie köstlich kleiden, Martin. Denn sie ist wie ein Tännlein so schön und grad gewachsen.«
Martin Opterberg lachte vor sich hin. Das war kein krankes Lachen. Es kam aus der Gesundung und verlangte nach der Gesundheit. »Schwestern sind’s und einander ähnlich, wie selten zwei. Du mußt es drum wissen, Christoph. Aber auch von der anderen Schwester schreibt sie und hebt das Theresel in den höchsten Himmel: Sprechstunde, Krankenbesuche landaus, landein auf dem Motorrad, Ersatzlazarett, wiederum Sprechstunde, Lazarett, Krankenbesuche und Geburtshilfen bis spät in die Nacht, und vier Stunden Schlaf, wenn’s hoch kommt.«
Christoph Attermann lag mit seligen Augen. Er wußte ja das alles und wußte viel mehr. Dreimal war er auf Urlaub daheim gewesen und hatte in Haus und Werk nach dem Rechten gesehen, sehen wollen — denn die Frauen hatten schon um alles gesorgt.
»Unsere Frauen,« sagte er. »Man möcht’ sie ein Jahr lang abbusseln, wenn sie stillhielten.«
»Und die Mutter hält den Opterberghof im Schwung, Christoph. Die Hälfte an Arbeitskräften und das Doppelte an Leistungen. Ich sah sie im Herbst mit der Sense in der Ernte. Arme wie Mannesarme, und die Waden, sagt sie, seien schon gar nicht zum ansehen. Die Sechzigjährige ist wie eine Hünin an Leib und Seele.«
»Willst du nicht auch einmal an den Niederrhein, Martin?«
»Später. Heut ist die Verteilung schon die rechte. Der eine zu Frau und Kindern, der andere zur Mutter.«
»Und die Linde?« wollte Christoph Attermann fragen. Aber er unterdrückte es und fingerte einen Marsch auf die Bettspreize.
Als sie ihre ersten Gehversuche machten, wurde ein Infanterieoffizier eingeliefert, dem die rechte Hand über dem Gelenk weggeschossen war. In dem blassen, mit Schlägernarben geschmückten Gesicht erkannten sie ihren alten Verbindungsbruder Broich, aus Freiburger Tagen, den Freund und Wandergefährten, der von der Juristerei zur Düsseldorfer Industrie übergegangen war, um schneller seiner geliebten Hilde Falkenroth Gatte und Betreuer sein zu können. Nun lag der Wackere als Einhänder im Verband, und die Freunde saßen manche Stunde an seinem Bett.
»Fürs Ersatzbataillon reicht’s noch,« sagte Broich in seiner knappen, soldatischen Art. »Ich kann den Säbel in die Linke nehmen, wenn ich den Nachschub daheim einexerzier’.«