»Herr Hauptmann Opterberg …«
Martin Opterberg riß sich zu dienstlicher Haltung zusammen. Er trat ein. Die Tür sank geräuschlos hinter ihm ins Schloß.
Ein leeres, dämmeriges Gemach. Ganz hinten am letzten Eckfenster, alles Tageslicht auf sich vereinend, ein Mann am Schreibtisch, groß, stark, mit einem Bauernschädel.
Der Mann erhob sich, durchschritt in Eile das langgestreckte Zimmer und nahm dem Meldenden die Hand vom Helm.
»Hauptmann Opterberg. Ich weiß. Sollen hier ein paar Monate arbeiten, um nicht vorzeitig draufzugehen. Offiziere wie Sie brauchen wir heute nötiger denn je. Führer, denen die Leute blindlings folgen. Herzlich willkommen hier.«
»Allergehorsamsten Dank, Euer Exzellenz.«
»Keine Worte, lieber Opterberg. Der Dank ist auf unserer Seite. Viermal verwundet und immer wieder vornweg. Ihre Leistungen sind mir allesamt bekannt. Sie dürfen stolz darauf sein.«
Martin Opterberg stand unbeweglich. Auge in Auge mit dem überlasteten Mann, der dennoch auch von ihm wußte …
»Nun wollen Sie sich wohl beim Feldmarschall melden? Sie sollen ihn sehen. Der Feldmarschall wünscht es selbst. In einer Stunde beim Mittagessen in seinem Hause. Dort hat er Atempause. Auf Wiedersehen.«
Martin Opterberg spürte den kurzen, festen Druck der Hand. Und während er Kehrt machte, sah er den Überlasteten in Eile durch das Zimmer zurückschreiten. Als er beim Hinaustreten einen Blick zurückwarf, saß der General in seinen Papieren vergraben am Schreibtisch. Und alles Tageslicht lag auf dem mächtigen Bauernschädel.