Nachsinnend betrat Martin Opterberg die Straße. Aber ein Gefühl blieb das stärkste. Er kam von einem Einsamen. Er kam von einem Arbeitsriesen, der in Sekunden denken mußte, handeln, vollbringen, und der seine Worte auf Sekundenkürze zusammendrängen mußte.
Und doch: was hatte der General ihm in den wenigen Augenblicken nicht alles gesagt. Nein, nicht das Lob. »Führer sind nötiger denn je, denen die Leute blindlings folgen.« Also sammelte er sich zum Entscheidungskampf. Zur letzten Schlacht, in der es blindlings voran gehen mußte, sollte Deutschland bestehen … Und von Hindenburg hatte er gesprochen, dem Feldmarschall. Dies ehrfürchtig-stolze »Sie sollen ihn sehen« schwang noch in Martin Opterbergs Seele nach. Mit diesem tiefen Unterton vermochte nur ein Mann zu sprechen, der das Hinaufschauen nicht verlernt hatte. »Dort hat er Atempause.« So spricht ein Mitarbeiter vom Meister.
Und plötzlich rann es Martin Opterberg den Rücken hinab … Gleich wirst du vor dem Schlachtenmeister stehen, vor dem Ehrwürdigen und Verehrungswürdigen.
Er horchte in sich hinein. Nein, da war keine Spur von Angst. Da war nur Freude, jubelnde Freude.
»Opterberg? Bist du’s oder bist du’s nicht? Menschenskind, du überrennst ja den Vertreter einer hohen Generalstabsabteilung!«
»Grüters,« sagte Opterberg und hielt an. »Wenn ich dein Hiersein nicht schon von deinem Schwager Tillmann wüßte, hätt’ ich dich doch an den funkelnagelneuen Beinkleidern erkannt.«
Grüters beklopfte mit einer Reitgerte die gutsitzenden langen Hosen.
»Du irrst, wenn du damit meinst, daß Kleider Leute machen. Der Generalstab des deutschen Heeres ist verdammt helle, mein Junge, und versteht sich auf die Ausmusterung. Mit Hohlköpfen ist hier nischt zu wollen, aber rein garnischt. Und was führt dich wackeren Feldsoldaten in diese geistige Luftschicht?«
»Nichts als eine einstweilige Versetzung in diesen selben Generalstab.«
»Du — —?« fragte Grüters und starrte den einstigen Verbindungsbruder sprachlos an. »Du machst wohl Witze? Nee — ernsthaft? Wieso denn? Das weißt du nicht? Das ist ja eine rätselhafte Geschichte. Immerhin,« er reichte Opterberg die Hand, »wenn du eine Hilfe nötig hast — ich stehe dir in meinen knappen Mußestunden gern zur Seite.«