»Der Herr Feldmarschall läßt bitten, abzulegen. Er nimmt Ihre dienstliche Meldung als geschehen an und ersucht Herrn Hauptmann, sich lediglich als seinen Gast zu fühlen. Bitte in dieses Zimmer.«

Nur wenige Offiziere standen wartend und plaudernd in dem kleinen Empfangszimmer, des Feldmarschalls allernächste Mitarbeiter, soweit sie abkömmlich waren. Der Adjutant stellte den Hauptmann Opterberg vor. Ein paar Namen wurden gemurmelt, ein paar Hände streckten sich aus, und Martin Opterberg fühlte sich auf eine ruhige und selbstverständliche Weise ins Gespräch gezogen. Er war Offizier und Hindenburgs Gast. Das genügte den Herren.

Unwillkürlich reckte sich Martin Opterberg auf. Die Innentür wurde geöffnet, und ein Riese an Wuchs mit einem eckig behauenen Kopf, in dem sich Rune an Rune drängte, graues, kurzgeschorenes Haar über der breitvorgelagerten Faltenstirn, den dicken, eisgrauen Schnurrbart bis über die Mundwinkel vorgezogen, kam, die Hände in den Taschen seiner Litewka vergraben, gemütlich ins Zimmer geschlendert. Der Feldmarschall hatte Atempause.

Kein Zug entging Martin Opterberg in diesem ungewöhnlichen Gesicht. Wie aus einem prachtvollen Marmorblock herausgehauen, ohne erst vorher sorglich in Ton geformt und geglättet gewesen zu sein, so wirkte dieser Kopf. Die Augen waren tief eingelegt. Wie ein Bildhauer wohl, um das Leben zu erhöhen, kostbare Edelsteine in den Marmor senkt. Eines alles verstehenden Herzens Güte spiegelten sie wieder, aber auf ihrem Grunde glomm ein Schein, sichtbar nur dem Forscher, der des Alters spottete und von den Feuerbränden einer Jünglingsseele sprach.

Der Feldmarschall nickte seinen Tischgenossen zu, winkte dem Adjutanten, der zur Vorstellung des Hauptmanns herbeisprang, ab und reichte dem Gast die Hand, die er aus der Litewkatasche zog.

»Der Hauptmann Opterberg wird schon wissen, wer ich bin,« sagte er mit einer knorrigen Baßstimme, die tief aus seinem Körper zu kommen schien, »und ich werde doch wohl wissen, wen ich mir als Gast eingeladen habe. Freue mich, Sie zu sehen, Herr Hauptmann. Ja, mein lieber Kamerad, wär’ ich noch in Ihrem Alter, ich möcht’ schon lieber mit dem Kolben dreinwettern als jetzt mit dem Federhalter. Was haben Sie studiert?«

»Ingenieurwesen und Volkswirtschaft, Herr Feldmarschall. Ich baue am Niederrhein Schiffe.«

»Ah! … Viel im Ausland gewesen?«

»Längere Jahre in England und Amerika.«

»Das ist gut. Dann sagen Sie mir doch einmal — Entschuldigung, da meldet die Ordonnanz, daß wir essen können. Ist Ludendorff da? Wenn man den Wolf nennt, kommt er gerennt. Dann müssen Sie mir schon gestatten, daß ich Sie zu Ihrem Platze führe. Ich bin nämlich mein eigener Oberhofmarschall.«