»Nicht in das Feldheer. Nicht unter meine Braven. Diese schwammigen Blutegel, die sich am Kriege vollsaugen und, wenn’s hart um hart geht, uns mit irrsinnigem Friedensgeheul in den Rücken fallen, um nur ja mit ihrem Raub nicht unter die Räder zu kommen. Dann schimpfen sich diese Kerle ›Pazifisten‹. Achten Sie auf das Fremdwort. Die deutsche Sprache schämt sich, ein Wort dafür herauszurücken.«

Die Teller waren geleert, das Glas Wein ausgetrunken. Ein Zigarrenkistchen machte die Runde, und ein jeder langte zu. Der Feldmarschall tat tiefe Züge. In seinen Augen lag wieder die Vatergüte.

»Es gibt nur eins, mein lieber Hauptmann Opterberg, und das ist die Pflicht. Die Pflicht vor dem Vaterland, vor sich selber und dem Herrgott. Wie die unsere lautet, das sollten wir nachgerade wissen, oder wir müßten diesen unerbittlichen Vernichtungskrieg gegen Deutschland immer noch für eine Kirmeßrauferei halten, die mit einem gefüllten Maßkrug abgebrochen werden kann. Aushalten bis auf den letzten Mann, den letzten Hauch, und lieber in Seligkeit sterben als unselig weiter leben.«

Er stand auf und reckte seine Riesengestalt in den Schultern.

»Wollte doch diese Einsicht Gemeingut des ganzen Heimatvolkes werden. Eine eigene Brotrinde kauen, ist immer noch besser als fremde Peitschenhiebe zum Frühstück. Erfüllen wir unsere Pflicht. Zu nichts anderem sind wir hier. Gesegnete Mahlzeit, meine Herren.«

Er reichte die Linke dem Gast, die Rechte dem General Ludendorff, der eilig und schweigend gegessen hatte. Die Atempause war vorüber. —

Wenige Wochen erst saß Martin Opterberg an seinem schmalen Arbeitstisch, der auf vier fichtenen Füßen stand, als das zweite Erlebnis an ihn herantrat. Der Kaiser, der nach kurzer Abwesenheit im Großen Hauptquartier wieder eingetroffen war, wünschte einen Bericht über die Stimmung im Heere. Seine Umgebung hatte ihm von dem seit kurzem im Generalstab beschäftigten Hauptmann gesprochen, der mit Auszeichnung auf allen Kriegsschauplätzen gekämpft habe und vom Generalfeldmarschall Hindenburg zu einer Mittagsmahlzeit zugezogen worden sei. Der Kaiser ließ den Hauptmann zu sich befehlen.

Es war an einem frühen Wintermorgen, als Martin Opterberg die Einfahrt zu dem Landhause betrat, das den Kaiser und sein Gefolge beherbergte. Ein paar Kraftwagen waren vorgefahren. Der Leibjäger stand harrend am Schlage des ersten.

Die Tür des Hauses öffnete sich. Der Generaladjutant trat heraus, schritt über den knarrenden Kies und nahm die Meldung des Hauptmanns Opterberg entgegen.

»Warten Sie hier. Seine Majestät werden sogleich erscheinen. Sie fahren mit.«