Das war der Heimatgruß.
Ein langer, angetrunkener Bursch sprang den Hauptmann an und griff in seine Achselstücke.
»Herunter mit den Herrenzeichen! Willst du wohl klein werden, du Leuteschinder?«
Martin Opterberg hatte sich von seiner Überraschung erholt. Er hob die Faust und schlug sie dem Angreifer zwischen die Augen, daß er taumelte und sich erbrach. »Reibt ihnen den Hintern mit Pulver ein, sie haben mit dem Gesicht noch keins gerochen!« wüteten die Heimkehrer, schlugen mit den Ruderstangen drein und jagten die Grußbringer in alle Himmelsrichtungen.
»Nun schleicht euch heim, ihr treuen, tapferen Männer, schleicht euch in die Heimat hinein, die todkrank ist,« sagte Martin Opterberg und schüttelte immer wieder die rissigen, borkigen Hände. »Wir sehen uns wieder. Wir sind nicht nur mit dem Mund und im billigen Sonnenschein Kameraden gewesen. Wir gehören fürs Leben zusammen. Eure Wohnorte weiß ich, und ihr wißt den meinen. Grüßt Frau und Kinder von dem Mann, der keinen Dank an euch für groß genug hält.«
Drei Hurras schrien die heiseren Kehlen für ihren Hauptmann in die rheinischen Dezembernebel …
Im Fußmarsch erreichte Martin Opterberg in später Nacht seinen Wohnort. Schmutzbedeckt, in altem, zerrissenem Soldatenmantel, den Schirm der Mütze in das hagere Gesicht gezogen. Wie ein Nachtwandler ging er an dem eigenen Hause vorüber, das mit geschlossenen Läden im Dunkel lag, und gelangte zum Hause der Attermanns. In einem Zimmer brannte noch ein Licht. Er drückte auf den Knopf der Klingelleitung und sah, wie nach Sekundenstille jäh das Licht im Treppenhaus aufflammte. Dann wurde die Türe aufgerissen, und er schwankte ins Haus.
»Da bin ich, Linde Baumgart.«
Sie stand vor dem Müden, Schmutzbedeckten, in einem weißen Gewand, das sie in der Hast übergeworfen hatte, und alles an ihr atmete die frische Reinheit, die Gesundheit und Schönheit des jugendlichen Weibes.
Jetzt aber schaute sie ihn entgeistert an.