Jetzt aber stand er auf den Beinen, schüttelte die letzte lässige Müdigkeit von sich und zog die Fenstervorhänge beiseite. Draußen flockte ein weicher Schnee in der Luft. ›Adventsschnee‹, dachte er, und es rieselte ihm wie heimatliche Erinnerungen durch die Seele. Er öffnete einen Spalt weit die Fenster, daß die reine Winterluft einströmen konnte.
»Guten Morgen, Martin. Schon ausgeschlafen?«
»Schon?« wiederholte er und reichte dem eintretenden Freunde die Hand. »Es ist neun Uhr.«
Christoph Attermann beklopfte die Hand, als wäre es eine kleine Knabenhand, und schmunzelte behaglich.
»Aber es liegen zwei Tage und zwei Nächte dazwischen, alter Kamerad, denn die erste zählt nicht, weil wir dich erst gegen den Morgen hin zu Bett geschafft hatten.«
»Alle guten Geister! Ist das die Wahrheit?«
Christoph Attermann lachte über das ganze Gesicht.
»Darum hatt’ ich gedacht, du wolltest den Schlaf gleich bis zum Weihnachtsfest ausdehnen, und wunderte mich baß, als ich dich hier oben herumhantieren hört’. Weißt du, Martin, das Theresel war schon zur künstlichen Ernährung übergegangen. Ihretwegen hätt’st du die vierzehn Tag’ bis zum Fest ruhig durchschlafen können.«
»Das war also die Therese …? Ich komm’ doch mein Lebtag nicht aus ihrer Kur heraus. Aber jetzt möcht’ ich einen ganz anderen Kollegen vom Theresel sehen, Christoph, den Bartscherer. Ich schau’ aus wie unsere Vorfahren, als sie noch auf den Bäumen saßen und mit Kokosnüssen warfen.«
»Ich hab’ die ›Konkurrenz‹ schon benachrichtigen lassen. Dacht’ mir gleich, als ich hier hinaufstieg: jetzt wird der gesittete Mensch in ihm zum Durchbruch kommen, weil er Damen im Hause weiß. War bei mir nicht die Spur anders, Martinle.«