»Damen —?« fragte Martin Opterberg. »Ist die Linde gar bei euch?«

»Nun leg dich gleich wieder nieder und schlaf noch einmal aus. Busselst das Mädel ab, daß alle Farb’ herunter ist, und fragst so erstaunt, als ob’s der Buchhalter hätt’ gewesen sein können. O nein, mein Lieber, wenn die Linde auch den Buchhalter auf der Werft macht seit Jahr und Tag — in der Nacht hast du sie für ein rechtschaffenes, sauberes Frauenzimmer genommen und sie zusammengedrückt, daß die Theres sie gleich in ärztliche Behandlung hat nehmen müssen.«

»Das tat die Freud’, Christoph.«

»Daß es nicht der Zorn tat, hab’ ich mir schon selber denken können. Horch, da kommt der Bader. Ich hör’ sein hungriges Scherengeklapper. Deinen Winteranzug hat die Linde aus deinem Haus geholt und dein bedürftig Feldgrau einstweilen in die Mottenkiste gesperrt. Tritt nur hier ins Nebenzimmer, da findest du alles zur Erneuerung, auch Theresens unlauteren Wettbewerber mit dem Messer.«

»Wie fröhlich er ist,« dachte Martin Opterberg. »Wie er mir alles heimatlich machen will, als wär’ das furchtbare Dahinten nur ein wüster Nachtspuk gewesen.«

Eine Stunde darauf erschien er in seinem bürgerlichen Anzug, bartlos und mit wohlgeordnetem Haar im Familienzimmer. Die Frauen standen auf und eilten ihm entgegen. Christoph Attermann schlug vor Verwunderung die Hände zusammen.

»Kaum ein Lot Fleisch hast du auf dem Körper. Das muß wieder her, und der Schnurrbart muß auch wieder her, daß du uns nicht fremd bist.«

Die Frauen hatten den Wiedergekehrten begrüßt und noch einmal willkommen geheißen. Aber die heftig aufwogende Freude war einer nur mühsam verschleierten Scheu gewichen. So anders sah der Freund im hellen Tageslicht aus.

Sie saßen bei ihm am Frühstückstisch und lugten heimlich nach seinen Augen. Die lagen tief und fern, als schauten sie immer noch in eine andere Welt. Die Haut spannte sich herb über den Backenknochen. Nur der schöne starke Mund atmete dem Leben entgegen.

»Gelt, Therese, du kriegst einen Schreck? Und auch die Linde hatte sich ihren Freund wohl ein wenig anders vorgestellt? Laßt mir Zeit. Es wird schon wieder besser.«