»Du bist uns gerade recht so, Martin …«
Er schüttelte den Kopf.
»Erst muß der Bilderwirrwarr aus den Augen fort und der Lärm aus den Ohren heraus. Habt ihr eine Zeitung? Ich weiß so gut wie nichts seit sechs Wochen und mehr und muß mich doch in die neue Zeit hineinfinden. Nachher will ich zur Werft.«
»Zur Werft wird erst morgen gegangen,« bestimmte Christoph Attermann. »Der Arzt, den du schon in der Fuchsenzeit mit deinem Vertrauen beehrt hast, hat’s so und nicht anders angeordnet. Die Zeitungen der letzten sechs Wochen aber find’st du geordnet in meinem Arbeitszimmer, und eine Zigarre obenbei. Nun komm und mach’s dir bequem.«
»Erst möcht’ ich der Mutter eine Drahtnachricht schicken. Ich hätt’s schon in der ersten Nacht tun sollen.«
»Das hat die Linde schon ganz aus sich selbst besorgt. Du hattest noch nicht das zweite Auge zu.«
Martin Opterberg blickte auf. Zum erstenmal sah er dem Mädchen voll in die Augen. Die Jugendblüte hatte sich erschlossen, über den Kelchrand lugten weiche, warme Frauenaugen, die das Menschenlachen ersehnten. Jetzt hielten sie seinem Blick stand.
Er reichte ihr die Hand, die sie fest in die ihre nahm.
»Du warst die erste, die mich begrüßte, Linde. Und es ist schön, daß du diesen Gruß gleich an die Mutter weitergegeben hast.«
›Diesen Gruß …?‹ dachte Linde Baumgart, und ein Lächeln ging um ihren Mund.