Dann saß Martin Opterberg in Christoph Attermanns Arbeitszimmer, und der Pflegebruder brachte ihm die aufgesammelten Zeitungen und streckte sich in einen zweiten Sessel, um zu jeder Auskunft gegenwärtig zu sein. Aber Martin Opterberg las stumm, und die Zigarre erkaltete zwischen seinen Fingern. Stunde auf Stunde las er, bis die Glocke zum Mittagessen rief. Da legte er die Blätter still zur Seite.

»Was sagst du zu dem allen, Martin?«

»Es ist geschehen. Das Rückwärtsprophezeien war nie unsere Sache, Christoph.«

»Das ist wahr. Und es ist törichtes Geschrei und Geschwätz genug im Land. Nur daß eine Handvoll Männer — oder waren es gar nur halbwüchsige Burschen — mit einem Gürtel voll Handgranaten sechzig Millionen Menschen auf den Kopf stellen konnten —«

»Warum konnten sie, Christoph? Weil die Feiglinge sich nicht wehrten. Also waren sie reif.«

»Du gibst den Umstürzlern Recht?«

»Nein, Christoph, niemals. Aber ich geb’ dem schlotternden Bürgertum Unrecht. Weshalb? Weil es schlottert! Was nur klugschwätzen und, wenn es die Tat gilt, hilfeschreien kann, Christoph, das, weißt du noch aus deiner Feldkompanie, ist hinderlich und wert, von den Tatmenschen an die Wand gedrückt zu werden. Doch darüber laß uns reden, wenn ich den richtigen Abstand zu den Dingen hab’ nehmen können.«

»Also rein gar nichts zu fragen?«

Martin Opterberg lächelte.

»Du willst ja nur hören, was ich zu dem Bericht aus den ersten Novembertagen sage. Zu dem Bericht über den Vortrag unseres Freundes Grüters in der Berliner Versammlung zugunsten einer verschämten Republik. Ach, Christoph, der Grüters hatte vor Ausbruch der Revolution schon die rechte Witterung erhalten und suchte sich den künftigen Machthabern zu empfehlen. Das war schon so seit der Studentenzeit und wundert mich keinen Augenblick. Wenn der Staatswagen wieder nach rechts schwenkt, wird er gewiß nicht verfehlen, rechtzeitig den Anschluß zu gewinnen.«