»Ja, ja,« sagte Christoph Attermann mit einem zornigen Lachen, »er denkt halt: es ist immer noch bekömmlicher, für anderer Leut’ Überzeugung zu leben, als für die eigene zu sterben.«

»Mir scheint, so haben viele im Vaterland gedacht, Christoph. Darum laß uns den Einzelnen nicht herausgreifen. Fieber will ausrasen.«

»In den Köpfen wie in den Hosen,« sagte Christoph Attermann, und dann gingen sie zu den Frauen und zu den Kindern.

»Mein Gott,« staunte Martin Opterberg, »der kleine Christian ist ein großer Schulbub geworden und mein Patenkind Linde ein richtig Fräulein, seit ich sie nicht sah. Ja, wie alt muß dann ich erst geworden sein …« Und er hockte sich nieder und fing die anstürmenden Kinder in seinen Armen auf.

»Du, Oheim Martin,« gestand ihm der Knabe wichtig, »die Mutter hat gesagt, sie hätt’ einen Herzschreck bekommen, als sie dich gesehen hätt’.«

»Und die Tante Linde hat gesagt,« drängte sich die Kleine ein, »sie gar nicht.«

»Was mag nun das Angenehmere für mich sein, ihr Kinder?«

Lachend und widersprechend schoben die Frauen die Kinder auf ihre Plätze. Und als der Vater den Oheim über die letzten Schlachten und den Rückzug der Millionen befragte, saßen die Kinder wie gebannt und horchten auf die knappen Worte, die sich schwer von den Lippen des Erzählers rangen.

»Ich hatte,« sagte Christoph Attermann mit geweiteten Augen, »die beste Flasche Wein in meinem Keller für den Siegestrunk bestimmt. Eine sonnengesegnete elfer Steinberger Auslese. Der Sieg ist uns durch die Händ’ geglitten, aber das Siegerherz haben wir heimgebracht, das in diesem furchtbaren Frieden mehr bedeuten wird als in den furchtbarsten Schlachten.«

Er hatte sich erhoben und die Gläser vollgeschenkt. Und stehend sprach er weiter.