»Und wer will mein Kamerade sein,

Der stoße mit an, der stimme mit ein

Bei dieser Neige Wein!«

Arnold Opterberg stieß mit an und stimmte mit ein. Und zum Gitarrenschlag sangen sie von dem Wein, der auf den Höhen wächst, und von den Mädchen, die im Tale wachsen, und immer wieder unterbrach Arnold Opterberg den Gesang und fragte nach dieser und jener, nach der dritten und der vierten, und vernahm in erregtem Staunen, daß sie den untern Weg gegangen seien, einen Mann geheiratet und Kinder gekriegt hätten — o so viele Kinder. »Aber laß dich das nicht anfechten, Bruderherz. Unser geliebtes Düsseldorf ist von unerschöpflicher Fruchtbarkeit, und die schönen Mädchen drängen sich jahraus, jahrein lieblicher in die Schnürbrust, allen Malersleuten eine Augenweide. Und sie suchen nach dir und fragen nach dir, vom Ratinger Tor bis zu den verschwiegenen Waldwinkeln Gerresheims: Wo steckt der Arnold Opterberg, der mit dem Rubenskopf und dem Rubensfeuer? Wer sagt uns Verlassenen und Frierenden, wo der heiße Sonnengott Düsseldorfs hingeraten ist?«

»Schwindelt nicht. Vor fünfzehn Jahren lagen sie noch in den Windeln.«

»In den Windeln? Du bist verbauert, Opterberg. Solche Mädchen liegen niemals in den Windeln. Sie entspringen ihren Müttern, die sich nach dir gesehnt haben, wie Liebesgedanken, wie —«

»Schweigt. Ich schenke euch auch ohnedies ein. Ja, schön war es, schön war es.«

»Schön? War es? Es ist schön, Opterberg, und wird alle Tage schöner! Sobald uns die ersten, schüchternen Lorbeerblättlein hinter den Ohren hervorwuchsen — und sie wuchsen, Opterberg, zu ganzen Kränzen wuchsen sie, und all die lieben weißen Händchen steckten Rosen hinein. Rosen über Rosen. Erst dann ist der Lorbeer schön.«

»Habt ihr davon geerntet?« fragte der Hausherr zweifelnd. »Es muß bei Nacht gewesen sein, denn ihr stahlt dem lieben Herrgott den Tag.«

Ein Ton des Bedauerns ging von den Gästen aus.