Eine Sekunde verhielt Martin Opterberg den Schritt, und sie genügte dem alten Herrn, um ihn festzuhalten.

»Professor Barthelmeß,« kam er dem Erstaunten zu Hilfe. »Und hier ist auch meine liebe Frau Hadwiga. Nun geht sie im Gewand einer Fürstin, wie es sich für die Frau eines großen Künstlers geziemt. Ja, mein Freund, die Tage der Bitternis, in denen ich in der Wüste Ziegel strich, sind vorüber. Jetzt ist die Fronarbeit an die armen Reichen gekommen, von denen ich im Auftrage des bedeutendsten Berliner Kunsthändlers alte Gemälde zu geringen Einkaufs- und hohen Verkaufspreisen aufkaufe. Und meine drei Herren Söhne, dieses echte Barthelmeßblut — ah, dort steigen sie gerade aus ihrem eigengesteuerten Mercedeswagen — handeln mit allem, was Gott gedeihen läßt, hinüber und herüber über den Rhein, und die Sabine verschafft ihnen durch ihre aufrichtige Beliebtheit bei den fremden Herren Offizieren die Ein- und Ausfuhrbewilligungen durch das große Loch im Westen.« —

Er sprach in die Luft. Martin Opterberg hatte schweigend an die Hutkrempe gefaßt, als entschuldige er sich eines Versehens wegen, und war weitergegangen.

Vor einem kleinen Papierladen blieb er stehen. Zeitungen und billige Bücher waren in der Auslage zu sehen, aber die waren es nicht, die ihn fesselten. Er blickte forschend durch die Scheiben und glaubte in dem Mann, der am Ladentische saß und Schreibübungen zu veranstalten schien, Broich zu erkennen, Broich, den er zuletzt mit abgeschossener Hand im Feldlazarett gesehen hatte.

Er trat ein und hatte sich nicht geirrt.

»Lieb von dir, Opterberg, daß du mich heimsuchst. Nimm einen Stuhl. Die neuen Zeitungen kommen erst in einer halben Stunde, und bis dahin ist es ruhig im Laden. Warte, eine Begrüßungszigarre sollst du auch haben. Meine Frau hat mir ein ganzes Viertelhundert zu Weihnachten geschenkt.«

»Wie geht es dir, Broich, und wie geht es Frau und Kindern?«

»Alles gesund, und was mehr bedeutet: fest im Glauben an die Zukunft.«

»Gottlob, daß die anständigen Menschen nicht aussterben. Was macht die schwere Verwundung? Ich seh’, du hast eine künstliche Hand.«

»Ich kann, wenn ich die Linke zu Hilfe nehm’, alles mit ihr fassen und halten. Mit der Linken üb’ ich mich im Schreiben. Sieh her, es geht schon ganz gut. Und bis zum Frühjahr wird’s so weit sein, daß ich mich mit gutem Gewissen wieder um eine bessere Stellung bewerben darf. Einstweilen glauben ja die Herren, wem die rechte Hand weggeblasen sei, dem sei auch der Verstand weggeblasen. Aber einstweilen hält uns ja auch das Zeitungslädchen über Wasser.«