Er schritt mit Christoph Attermann über die Werft, die bei dem Fehlen der Baustoffe und der wilden Steigerung aller Preise nur geringe Beschäftigung hatte. Er musterte die Arbeiterschaft und fand nur noch ein Häuflein der Getreuesten vor. Gar mancher der Kräftigsten und Geschicktesten war draußen vor dem Feind geblieben, und gar viele der Lebenden waren auch dem stürmischen Drang der Zeit gefolgt und hatten den Platz gewechselt, um an den ausgebotenen Riesenlöhnen leichteren Anteil zu gewinnen.
Die Pflegebrüder besprachen in großen Zügen die zuerst zu ergreifenden Maßnahmen.
»Die Tragbalken sind geblieben. Zwei Dinge kommen in Betracht: Arbeit hereinzuholen und — die Lust an der Arbeit zu heben. Das erstere ist nicht so schwer. Die Schiffsparks befinden sich allenthalben in Unstand, und die Holzpreise werden bezahlt werden müssen, bis die wiedereinsetzende Einfuhr sie eines Tages von selber regelt. Darnach müssen wir uns bei den Abschlüssen halten. Der zweite Punkt aber, die Lust an der Arbeit zu heben, setzt einige Eigenschaften voraus, die wir beide wohl bei uns als vorhanden ansehen dürfen: ein wenig mehr Menschenliebe und ein wenig mehr Selbstlosigkeit. Das gilt für uns im kleinen wie für das Vaterland im großen. Wir wollen in aller Ruhe und Klarheit an die Ausarbeitung eines Entwurfes gehen.«
Und Martin Opterberg schritt den Rhein hinab zu seinem vereinsamten Haus, und Linde Baumgart ging neben ihm. »Ich muß wieder seßhaft werden, Linde,« sagte er, »und unter meinem eigenen Dach wohnen. Sonst fühl’ ich mich nur als Gast im Haus und leicht dadurch auch im Werk. Schließ auf. Ah, da ist ja mein großes, stilles Arbeitszimmer.«
Sie ging vor ihm her, von einem Raum zum anderen, und öffnete die Läden, damit das grüßende Licht ihn empfange und alle Dunkelheit vor seinem Fuß zerflattere. Der Herr des Hauses sollte das Haupt heben bei jedem Schritt.
Er bemerkte ihr heiteres Handeln wohl und auch die Ordnung, die überall gehalten war.
»Hier warst du wohl öfters, Linde?«
»Wir müßten sonst mit dem Taucherhelm in die Staubwogen.«
›Vierundeinhalbes Jahr hat sie hier im Stillen geschafft,‹ dachte er, ›und das Deine betreut, während du im Felde lagst und mit keiner Zeile darnach fragtest.‹ Und er trat vor sie hin und ergriff ihre Hand.
»Nun müßt’ ich dir einen großen Dank sagen, und es wird doch wieder eine neue große Bitte. Würdest du mit hierher übersiedeln und mir das Hauswesen leiten? Ich möcht’s gern heimatlich behalten.«