»Kommt heraus, ihr Tagelöhner,« brüllte Radermacher, und seine Stimme überschlug sich vor Wut. »Nun hat’s ein End’ mit der Sklavenarbeit. Nun sind wir die Herren! Hat euch euer Sklavenhalter hinter Schloß und Riegel gesetzt? Seid ihr freie Männer oder Feiglinge, die die Zeit verschlafen?« Da öffnete sich ein Flügel des Tores, und ein Meister trat mit einigen Gesellen heraus.

»Wir sind freie Männer. Was stören Sie uns?«

»Stören sagte der Kerl? Ich werde dir gleich mal dein Hirn aufstören, daß es Funken stiebt. Von keinem Arbeiter geschieht mehr ein Schlag da drinnen. Ist das verständlich, oder sollen wir nachhelfen?«

»Arbeiter in Ihrem Sinne gibt’s bei uns nicht. Nur Mitarbeiter, die Teilhaber am Werk sind. Sie können also ruhig abziehen, da für uns gesorgt ist.«

Radermacher fuhr hoch. Seine Augen funkelten im Haß. »Bist du bei Sinnen, Mensch? Soll ich dir dein verfluchtes Maul stopfen? Hervor mit den Tagelöhnern, oder wir räuchern euch heraus!«

»Rühren Sie hier keine Planke an,« sagte der Meister gelassen. »Ich wiederhole Ihnen und den Leuten da allen: wir sind alle mitbeteiligt am Werk und wissen deshalb unser Eigentum zu schützen.«

»Ihr Spießgesellen eines Heckenritters!« schrie Radermacher und hob die Pistole.

»Torflügel auf,« befahl Martin Opterberg, und er stand mit den Seinen auf dem offenliegenden Werftplatz.

Im selben Augenblick aber sprang mit einem Aufschrei das Weib heran und schleuderte eine auflodernde Pechfackel in die Werfthalle hinein, daß aus den Gespänhaufen die Flammen wie rote Garben gegen die Balken prasselten.

»Drauf! Auf sie!« schrie ihr tobender Gefährte den Heranstürmenden zu und feuerte blindlings mit einer Pistole in die Werftleute hinein. Ihm nach seine Gesellschaft. Und dann krachte die Antwort. Ein Schuß in Sekundenkürze vor den anderen. Ein Schuß in Sekundenkürze hinter den anderen. Martin Opterbergs Kugel hatte den Anführer hintenüber geworfen. Jetzt wandte er sich blaß gegen die rasende Brandstifterin. Aber schon war alles vorüber, Massenfeuer und Einzelschuß. Er sah das Weib die Arme hochwerfen und über den toten Gefährten stürzen. Als sich Martin Opterberg blitzschnell umwandte, blickte er in Christoph Attermanns rauchende Pistole. »Halbpart, Martin,« sagte Christoph Attermann, »wir haben immer geteilt.«