»Und die Herren Weltbürger dazu,« rief Christoph Attermann, »diese Herren ›Überall zu Haus‹ und nur nicht im eigenen Vaterland. Wenn ich an diese knochenlosen Kurpfuscher denke, diese geschmeidigen Drückeberger in Deutschlands Not, spür’ ich meine Galle.«
»Es gibt eben Menschen,« meinte Broich verächtlich, »die sich aus Angst, für Männer gehalten zu werden, lieber selbst entmannen.«
»Dem ungeduldigen Kranken hilft nur ein willensstarker Arzt,« sagte sinnend Therese Baumgart, »der, wenn’s not tut, zum Chirurgenmesser greift. Vorläufig horcht das Volk, das so ein ungeduldiger Kranker ist, noch auf das Marktgeschrei eines jeden geschwätzigen Quacksalbers, der ein Leibweh höchstens in ein ärgeres Kopfweh umzuwandeln vermag.«
»Und wann wird der Arzt kommen? Wo nehmen wir ihn her?« Und ein jeder sprach seinen Spruch.
»Es wird der größte Mann der deutschen Geschichte werden!«
»Nur wer im eigenen Hause Ordnung zu halten vermag, ist berufen, sich um die Ordnung auf den Märkten zu kümmern.«
»Klein beginnen, aber mit dem unbeugsamen Willen, in die Höhe zu wachsen. Vom eigenen Haus aus die Kreise ziehen, wie Martin Opterberg es sagt, und nach den engeren Ringen die weiten.«
»Eine geschichtliche Erlösung kann nur bringen, wer eine neue und größere Geschichte bringt.«
»Ich wollte,« sagte Martin Opterberg, »im ganzen deutschen Vaterland säßen sie in dieser Stunde Haus bei Haus und sprächen von den Lichtquellen der Zukunft und nicht von dem niedergebrannten Kerzenstumpf der Vergangenheit. Und schüfen an der neuen deutschen Welt, in der es nur noch zwei Parteien und zwei Klassen von Menschen geben dürfte, die Anständigen und die Unanständigen, und die letzten nur, weil wir keine Engel sind und des Sauerteigs bedürfen. Freunde, nie hat eine schwerere Stunde ein Volk der Erde betroffen, und dennoch wollen wir stolz sein, daß wir sie miterleben, daß wir an eine Aufgabe mit herandürfen, für die die Besten gerade gut genug sind. Daran wollen wir denken, wenn wir allein sind und die Einsamkeit fühlen.«
Die Freunde erhoben sich. Wortlos, aber mit klarblickenden Augen. Sie schüttelten sich zum Abschied die Hände und gingen heim, ein jeder, wohin er gehörte. Und der Juniabend schaute durch die Fenster in seiner sehnsüchtigen Schöne …