Martin Opterberg war in sein Arbeitszimmer hinübergegangen. Er saß in der dunklen Ecke seines Ledersofas, und Linde Baumgart stand in der Tür und betrachtete ihn mit ihren warmen Blicken.

»Hast du noch einen Wunsch, Martin?«

»Ja, Linde, ich hätte noch einen Wunsch, und ich meine, die schweren Tage sind vor den anderen dazu geschaffen, um sich Wünsche zu erfüllen.«

»Nenn den deinen, Martin …«

»Ich möchte, Linde — ich möchte, daß du die Laute nähmst und sängst. Gerade an diesem Tag der deutschen Schmach und Schande. Nur das eine Lied, Linde, das Heldenlied, das uns vier Jahre vorangezogen ist in die Schlacht. Hol deine Laute, Mädchen.«

Sie nickte ihm zu, ging und kehrte mit der Laute wieder.

In dem tiefen Sessel saß sie ihm gegenüber, die Wange an den Lautenhals geschmiegt, und aus dem dunklen Lederpolster leuchtete ihr Gesicht so weiß wie ihr Sommerkleid.

»O Deutschland, hoch in Ehren …«

Martin Opterberg horchte auf, als riefen die Geister der Toten aus den fernen Gräbern in Frankreich, Flandern und Polen. Seine Augenlider röteten sich. Seine Wimpern wurden feucht. Aber sein Herz schlug nicht im Jammer um das Gewesene, es schlug im Stolz um die unvergänglichen Großtaten seines Volkes. O Deutschland, hoch in Ehren!

Die reine Mädchenstimme schwoll an, und die klingenden Saiten trugen sie hinauf zu den Höhen, von denen der Blick in die Weite geht.