»Haltet aus im Sturmgebraus!«
Und Martin Opterberg hörte nicht mehr die Geisterstimmen aus den Gräbern. Seine Augen hatten den alten Glanz zurückgewonnen. Kein Erinnerungstropfen hing mehr an seinen Wimpern. Vornübergebeugt saß er und schaute auf der Sängerin Lippen, als sähe er eine begeisterte Seherin sitzen und der neuen deutschen Welt den Zukunftglauben stählen in dieser Wind- und Wolfszeit, da der Wintersturm brauste im Junimond. Haltet aus! Wir sterben nicht! Wir erstehen! Haltet aus im Sturmgebraus …
Die Mädchenstimme schwang sich hoch auf aus der grauen Zeitlichkeit zu den ewigen Sternen, und des Mannes Augen leuchteten still und strahlend in der Gewißheit deutscher Unsterblichkeit.
»Haltet aus im Sturmgebraus!«
So feierte Martin Opterberg den Friedensvertrag von Versailles, der ein atemlos gewordenes Volk mitten ins Gesicht schlug.
Die Sängerin hatte die Laute an den Sessel gelehnt. Sie stand und wartete, und ihre Brust bebte noch von dem Lied.
»Nun ist die Reihe, zu wünschen, an dir, Linde.«
»Ja, Martin …«
»So sag auch du deinen Wunsch.«
Sie trat zu ihm hin. Auf scheuen Füßen. Und dann kauerte sie sich ganz dicht zu ihm und legte ihm die flachen Hände gegen die Brust.