»Ihr beiden!« donnerte Arnold Opterberg seine Gäste an. »So macht doch wenigstens nicht so erschreckend geistvolle Gesichter! Heraus mit eurem Flederwisch! Sagt euer Sprüchlein noch einmal auf!«

Die Maler hatten sich wiedergefunden. Sie schwenkten ihre Taschentücher aus den Röcken und wischten sich mit den Tüchern die Augen, als ob sie Lachtränen entfernen müßten.

»Sie haben Geist, gnädigste Hausfrau, und Sie haben die Güte des Geistes, den Humor. Wahrhaftig? Alles haben Sie mit angehört? Alles? Und sich augenblicklich gesagt: Da spricht der Wein aus Männerkehlen?«

»Ich hab’ mir noch mehr gesagt,« lachte Frau Christiane sie an. »Ich hab’ mir gesagt: Da hat der Arnold als richtiges Mannsbild den Gästen nur zu trinken gegeben und nicht zu essen. Kein Wunder, daß die Gedanken Kobolz schießen müssen, wenn ein handfest Abendbrot ihnen nicht die notwendige Erdenschwere gibt. Wir wollen’s nachholen, meine Herren, aber nicht hier im blauen Zigarrenrauch und Geisterqualm, sondern drunten im frischen, weißen Eßzimmer.«

Ohne eine Widerrede zu beachten, nahm sie des einen Gastes Arm und schritt mit ihm die Treppe hinab, plaudernd und fragend. Und Arnold Opterberg bot mit einer tiefen Verneigung dem anderen Gast den Arm, grinste ihn an und führte ihn zur Treppe. —

Das kräftige ländliche Mahl mundete ausgezeichnet. Auch hatte Frau Christiane einen vortrefflichen, goldgelben Badnerwein heraufholen lassen und kargte nicht mit Zugießen. Aber die Kosten der Unterhaltung hatte sie dennoch fast allein zu tragen, denn die Gäste fühlten, daß sie sich in der blitzblanken Sauberkeit des Raumes und vor der blitzblanken Sauberkeit des Frauengeistes um ein erhebliches fragwürdiger vorkamen als in der durchräucherten Trinkstube und dem zügelfreien Großsprechertum. Neben der Leibesfrische Frau Christianes erschienen sie ungepflegt, und wenn auch der abgewetzte Anzug bei einem Studienfahrer angebracht oder doch zu entschuldigen war, so durften die vielerlei Flecke, Wein- und Tabakspuren doch immerhin fehlen. Das sagten sich die Gäste je länger, je mehr, und sie warfen nur heimlich aus den Augenwinkeln stumme und bewundernde Blicke auf die munter plaudernde Hausfrau.

Als ein Stündlein später Frau Christiane die Tafel aufhob, meinte sie freundlich: »Sie bleiben natürlich über Nacht. Ein Gasthaus gibt’s nicht in der Nähe. Aber früh aufstehen müssen Sie. Auf dem Lande beginnt der Tag mit der Sonne.«

»Wer so glücklich wäre, gnädigste Frau, auf dem Lande zu leben.«

»O, da hätt’ ich einen Vorschlag. Bleiben Sie ein paar Tag’ und helfen Sie uns aus. Dadurch, daß ich mit meinen Buben die Bergfahrt hab’ machen müssen, ist noch ein gut Teil Land mit Spätkartoffeln zu bestellen geblieben. Freie Herberg und Verpflegung, Wein und Tabak hinzu; und für drei Tage Arbeit den Rest der Woche zum Studienmalen. Lockt’s?«

»Es lockt, gnädigste Gutsherrin, oh es lockt …« —