Frau Christiane befand sich mit ihrem Manne in dem großen Schlafgemach. Sie stand mit aufgelöstem Haar in Hemd und weißgefaltetem Rock, badete sich im eiskalten Wasser Gesicht, Brust und Hände und begann das Haar zu bürsten und neu einzuflechten. Arnold Opterberg ging mit unruhigen Schritten hinter ihrem Stuhle auf und ab. Plötzlich blieb er stehen.
»Du hast also wahr und wahrhaftig vor der Türe — zugehört, Christel?«
»Wahr und wahrhaftig, Arnold. Du könntest auch horchen sagen.«
»Weshalb kamst du denn nicht herein? Wäre das nicht passender gewesen?«
»Es ging nicht, Arnold. Siehst du, vor der Tür, da konnt’ ich mir noch einbilden, ich säße im Theater und hört’ mir einen tollen Schwank an. Wäre ich aber eingetreten, so hätt’ ich mitspielen müssen, und dazu waren mir schon zwei Clowns zu viel da.«
Er lachte kurz und belustigt.
»Ein Körnchen Wahrheit war trotzdem in ihren Reden,« begann er von neuem.
Sie wandte sich halb nach ihm und streckte mit einer stillen und zärtlichen Bewegung den Arm nach seiner Schulter.
»Du hast in dem Wirrwarr des Giebelstübchens vorhin ein hübsches Wort gesagt, Arnold. Als du von den vorgezauberten Regenbogenfarben sprachst. ›Morgen sind sie mit dem Wein verdunstet.‹ Weißt du, so wollen wir uns beim Morgenlicht auch nach dem Körnchen Wahrheit umsehen. Aber ein anderes, bevor wir schlafen gehen. Was war’s mit dem Schmid Attermann?«
»Er ist von der Klinik weg und bei Breisach in den Rhein, wie ich es dir nach Splügen drahtete. Er wollte, als er erfahren hat, daß er unheilbar sei, seine paar Ersparnisse lieber seinem Jungen hinterlassen als sie verdoktern. Bei Kehl erst hat man die Leiche herausgefischt und gleich eingegraben.«