Wieder wanderten sie weiter und bogen ab vom Rhein, und das Mädchen fragte: »Wohin gehen wir?«
»Zur Schwester,« antwortete Martin Opterberg. »Ich bring’ dich der Therese.«
Es war erst fünf Uhr morgens, als sie das Attermannsche Haus erreicht hatten, und sie umschritten das Anwesen und gelangten durch ein Pförtchen in den Garten. Die Rosen glühten an den Stöcken und die Nelken auf den langgezogenen Beeten. Ein blühendes Jasmingesträuch war zu einer Gartenlaube geformt.
Nicht lange saßen sie in dem kleinen, verträumten Winkel, als sich die Haustür nach dem Garten auftat und Therese Attermann auf der Schwelle stand. Sie lugte in den Morgen hinein, hob den Fuß, um die Steinstufen hinabzusteigen, und blieb mit einem Male regungslos. Dann aber kam eilendes Leben in sie, und sie schritt schnell die Stufen hinab und in den Garten hinein. Die beiden in der Jasminlaube hatten sich erhoben und kamen ihr, sich fest bei der Hand haltend, auf halbem Wege entgegen.
»Ihr?« sagte Therese Attermann, und ihr Herz schlug hoch. »Ich hatt’ doch das Glöckchen an der Gartenpforte anschlagen gehört und glaubt’, es käm’ einer, der schon in der Früh’ meinen ärztlichen Beistand suchte.«
»Grüß Gott, Therese. Wir kommen zwar nicht zum Arzt, sondern zur Schwester, um ihren Beistand zu erbitten. Die Linde will nun für immer bei mir bleiben und mich nicht mehr lassen! Bist du’s zufrieden?«
Therese Attermann streckte die Hände aus, und die beiden ergriffen die Schwesterhände und streichelten sie.
Ein tiefer Atemzug hob Therese Attermanns Brust. »Ich bin’s zufrieden! Ob ich’s zufrieden bin! Euch brauch’ ich kein Glück zu wünschen. Denn ihr habt’s und werdet’s zu halten wissen.«
»Ich bring’ dir meine Braut, Therese. Laß sie die wenigen Wochen bei dir bleiben, bis ich sie heimhol’. Ich will heut’ noch unser Aufgebot bestellen.«
Da nahm Therese Attermann die Schwester an ihre Brust, mit einer starken, liebkosenden Gebärde.