»Mein Lindele du …«

Und Linde Baumgart eilte, um Christoph Attermann herauszuklopfen, und Martin Opterberg stand mit der Schwester allein und sah ihr in die Augen.

»Du hast mir all mein blindes Jugendtreiben verziehen, Therese? Heute erst frag’ ich dich danach.«

»Martin,« sagte sie leise, »als Christoph Attermann in seiner starken Treue kam, um mich zum Weib zu wünschen, da hab’ ich ihm auf seine männliche Frage nach dir geantwortet: Ich könnt’ für den Martin Opterberg zu jeder Stund’ sterben, aber nicht mit ihm leben … Und dann hast du mit dem Leben gerungen und bist längst ein anderer geworden, bevor das Leben ein anderes geworden war, und wie sehr ich mit dem anderen Martin Opterberg, dem, der vor mir steht, zusammen leben möcht’ und will und werd’ — ach Martin, das Lindele ist ja keine andere als ich, und ich bin das Lindele.«

»Ich bin ein glücklicher Mann,« erwiderte Martin Opterberg. »Ich danke dir.«

Und Christoph Attermann kam, von Linde geleitet, und fiel dem Pflegebruder stürmisch um den Hals.

»Nun sind wir erst eins, Martin, nun sind wir erst ganz eins. Als hätten sich die beiden Rheinquellen vereinigt und endlich auch zum breiten Strom gefunden.« —

In dem einen Monat, der Martin Opterberg blieb, gab es Arbeit die Fülle für ihn. Aus seinen alten Pionieren waren die Schiffer, die ein Schiffahrtszeugnis für den Rhein besaßen, ausgewählt worden, um mit ihnen den Frachtdampfer zu bemannen. Über die nahe Grenze nach Holland ging die Fahrt, Waren zu laden für den Oberrhein bis Basel, und in Gegenfracht kostbare Hölzer des Schwarzwaldes zu holen. Und als das Schiff den Rhein hinabgeschwommen war, war auch der Monat dahingegangen.

In den ersten Augusttagen legten Martin Opterberg und Linde Baumgart ihre Hände ineinander.

Und sie fuhren in selber Stunde hinaus in den deutschen Süden, dem Land ihrer Jugend entgegen, und fuhren die ganze Nacht und den neuen Morgen den Rhein entlang und sahen den Schwarzwald winken, stiegen aus und wanderten in ihn hinein.