Als es gegen den Winter ging, kamen sie mit einer großen Neuigkeit ins Haus gestürzt.
»Rate, Mutter, wer wieder im Lande ist? Nun, du rätst es gewiß nicht. Die Barthelmeßleute sind’s. Die Buben sind heute bei uns eingeschult worden. Der Siebzehnjährige in die Tertia. Er soll sich das Einjährige ersitzen. Die beiden anderen wurden knapp quartareif erklärt. Aber ein Mundwerk haben sie alle, als gehörte die ganze Welt nur den Barthelmeßleuten. Uns hatten sie gleich entdeckt und verlangten von unserem Frühstücksbrot, weil sie das ihre zu Hause liegen gelassen hätten. Die Vielfraße.«
»Und was schafft der Herr Professor?« unterbrach Frau Christiane den Redeschwall.
»Er hat wieder Kirchenaufträge in der Nähe. Auf viele Jahre, sagen die Buben, und ihr Vater sei der größte Künstler der Welt und unbezahlbar.«
Frau Christiane lachte. »Wenn er unbezahlbar ist, der Herr Professor, so wird er sich wohl wieder an die Gutshöf’ halten, und der Opterberghof wird’s auch zu spüren kriegen.«
Ihre Vorahnung sollte sich nur allzu rasch und allzu reichlich erfüllen. Zum Sonntag machten Herr und Frau Barthelmeß auf dem Opterberghof ihren feierlichen Besuch.
»Meine gnädige Frau,« sagte der Professor in weltmännischer Gewandtheit, als entsänne er sich nur mit Vergnügen ihres Wandererlebnisses zu Reichenau, »daß erst ein paar Jahre bis zu dieser Stunde vergehen mußten, ist wirklich nicht meine Schuld. Eine kleine Mißhelligkeit mit der Kirchengemeinde, der ich damals gerade meine Kräfte widmete, zwang mich, Schluß zu machen und einen Auftrag in Rom zu übernehmen. Die frischgepflückten Lorbeern haben gewirkt. Man hat mich zur Ausführung recht schwieriger Wiederherstellungsarbeiten über die Alpen zurückgeholt.«
»Sie müßten,« wandte sich lebhaft Frau Barthelmeß an Arnold Opterberg, der die schwarzhaarige zierliche Unrast belustigt betrachtete, »den Grund des Zwistes zwischen dem Professor und der Kirchengemeinde erfahren, um über solches Maß von Philisterei sprachlos zu sein. Wir hatten uns auf einer Fahrt nach dem Schweizerstädtchen Reichenau durch einen alltäglichen Zufall verausgabt, und der Gastwirt, statt ruhig abzuwarten, bis wir ihm den Betrag seiner lächerlichen Rechnung überweisen, beschlagnahmt schon nach wenigen Wochen in flegelhafter Art unser Guthaben bei der Kirchengemeinde, die sich, statt dem frechen Patron gründlich zu dienen, herausnimmt, einem Mann wie dem Professor Vorschriften über seine Art der Geldeinteilung zu machen und ihm die fällige Zahlung zu sperren. Was sagen Sie, mein lieber Herr Opterberg, zu solch einer Seifensiedergesellschaft?«
»Ich vermag nur die Hoffnung auszusprechen,« entgegnete Arnold Opterberg, »daß diese Seifensiedergesellschaft mehr an den Gastwirt hat auszahlen müssen, als gerade Ihr Guthaben betrug. Das wäre die gerechte Strafe gewesen.«
Das eilfertige Plappermündchen blieb ein paar Sekunden lang offen stehen. In den schwarzen Augen funkelte es ein wenig mißtrauisch. Dann berührte sie ihn mit dem zierlichen Zeigefinger kindlich-vertraulich an der Schulter und lachte. »Sie sind, glaub’ ich, ein großer Leichtsinn.«