»Ich bin keine deutsche Hausfrau,« gestand Frau Hadwiga Barthelmeß flüsternd dem Hausherrn. »Ich kann lieb und fröhlich sein, das ist alles. Aber es ist nicht viel? Nein?«
»Ob es viel ist,« erwiderte Arnold Opterberg und ließ seinen Blick wohlgefällig auf dem quecksilbrigen Persönchen ruhen, »das entzieht sich leider vorläufig noch meiner Beurteilung. Ich werde mich jedoch auf Ihren Wunsch gern bemühen, hinter diese Frage zu kommen.«
Ihr zierlicher Zeigefinger tippte schon wieder an seiner Schulter. »Jetzt weiß ich’s, daß Sie ein Leichtsinn sind.«
Arnold Opterberg winkte, da das Mahl zu Ende war, den Knaben zu und hieß sie, eine Flasche Champagner aus dem Keller zu holen. Frau Hadwiga hörte es und tat einen kleinen Freudenschrei. »Oh, ich werde öfter kommen,« rief sie entzückt, »ich werde öfter kommen, hier werde ich verstanden.« Zunächst aber kamen die Barthelmeßkinder und stürzten mit Geschrei in den Hof und behaupteten, nicht zu Mittag gegessen zu haben, so daß Frau Christiane, um den Lärm zu beschwören, sofort den Kaffeetisch herrichten lassen mußte. Die großen Jungen und das kleine Mädchen stopften an Weißbrot und Kuchen in sich hinein, bis der letzte Krümel vertilgt war, tobten alsbald durch die Ställe, tranken ein paar Hühnereier leer, entdeckten die Obstkeller und füllten sich die Taschen. Die kleine Sabine Barthelmeß aber bemerkte den wenig huldvollen Blick, mit dem Martin Opterberg, der Haussohn, dem Treiben zuschaute, und sie schmeichelte sich an ihn heran und wollte nur noch an seiner Hand gehen und, als sie vorgab, müde geworden zu sein, von ihm ›Huckepack‹ getragen werden.
»Du bist doch schon ein großes Mädchen,« wehrte Martin Opterberg. »Da gehört sich’s nimmer.«
»Auch nicht, wenn man sich gefällt?« fragte die kleine Sabine verwundert.
Als am späten Abend der Spuk von dannen gebraust war, atmeten die Knaben auf. »Mir scheint die ganze Woch’ nichts wert, wenn der Sonntag schlecht verlaufen ist,« erklärte auch Christoph Attermann. Aber ob sie auch ärgerlich waren, dieser Sonntage folgten sich viele in dieser Winterszeit, denn Arnold Opterberg war nicht ärgerlich, seit ihm die kleine, schwarzhaarige Unrast zu Weihnachten die Augen zugehalten und ihn auf den Mund geküßt hatte. Das sei ihr Weihnachtsgeschenk, aber erst die Probe.
Der Professor wollte es ihr nachtun und breitete die Arme nach Frau Christiane aus.
»Weshalb denn nicht, schönste Hausfrau? Sehen Sie doch nur Ihren Arnold?«
»Ja, der Arnold!« sagte Frau Christiane in gut gespielter Bewunderung, »das ist ein arg ritterlicher Mensch. Aber ich hab’ nur den einen Mund, und auf den haben sich schon meine Buben gespitzt.« Und sie nahm den Martin und den Christoph und küßte die jubelnden Jungen weidlich ab.