»Mitnehmen möchten wir dich, mitnehmen in die Freiheit!«
»Um mich am nächsten Kreuzweg in der Freiheit sitzen zu lassen.«
»Um dich der ganzen Welt vorzuweisen: das ist unsere Mutter Christiane!«
»Das wär’ mir das Rechte,« lachte Frau Christiane, bekam ihre Hände frei und wuschelte durch das Blondhaar ihrer Buben. »Damit die ganze Studentenschaft schreit: Da kommen die Opterbergsbuben mit ihrer Kinderfrau. Nein, nein! Jetzt zeigt denen da draußen, daß ich euch wirklich das Laufen beigebracht hab’.«
»Mutter, du wirst so allein sein, während wir draußen Tollheiten machen!«
»Macht ihr nur eure Tollheiten. Dann wird’s euch heimtreiben, um euch bei der Mutter Rats zu holen, und ich bin nicht mehr allein.«
»Ach Mutter,« rief Martin Opterberg übermütig, »wieviel Tollheiten werden wir begehen, um dir die Freud’ zu machen.«
»Uns, Mutter, uns,« rief Christoph Attermann, »um deine Stimme zu hören.«
»Kommt immer, ihr Buben, früh oder spät. Für eine Mutter gibt’s keine Zeit. Eine Mutter wartet immer. Und nun marsch hinein und laßt euch beglückwünschen. Der Vater war euretwegen stundenlang im Keller und gewiß nicht, um eine trockene Red’ zu studieren.«
Da nahmen die jungen Studenten Frau Christiane in die Mitte und zogen in den Hof, und Arnold Opterberg stand mit einem alten, kunstvoll geschliffenen Pokal auf der Schwelle des Hauses und winkte ihnen mit dem Kelch entgegen. »Trinkt einmal erst, trinkt einmal erst, damit wir nicht wehleidig werden. Es lebe die Freiheit!«