Nein, wehleidig wurden sie nicht an diesem Abend im Opterberghause. In der fensterreichen Giebelturmstube hatte der Hausherr den Tisch gerichtet, und während die Gläser aneinanderklangen, rauschte der junge Rhein sein stürmisch Wanderlied hinein und wetteiferten lockend die tannengrünen Höhen des Schwarzwaldes mit den rätselhaften Berggebilden der Alpen im Abendschein. Der ungewohnte Wein löste den Jünglingen die Zunge, daß sie mit dem jugendtrunkenen Hausherrn um die Wette schwärmten und Pläne schmiedeten, und Frau Christiane saß unter ihnen und blickte lächelnd in ihr Glas.
»Also das Ingenieurfach habt ihr euch erwählt,« rief Arnold Opterberg, »Strombau, Brückenbau, Tief- und Hochbau und was weiß ich! Immerhin — ein freier Beruf, der einem die Wunder der Welt erschließen kann. Als Jurist Prozesse wegen einer Ungezieferbude führen, als Mediziner jedermann das Klistier setzen und als Schulmeister tagaus, tagein den Nürnberger Trichter bei anderer Leut’ Kindern spielen — nee, wär’ auch nicht mein Fall. Über die Theologie aber müßten sich die Theologen erst selber einmal einig sein. In den Weinbergen des Herrn stecken mir zu viel Pantscher, die das Hochzeitswunder zu Kana auf den Kopf stellen und aus Wein Wasser machen. Da wird das Herz nicht froh. Also es bleibt beim Ingenieurfach. Das ist doch noch ein Stück Leben, gesehen durch ein Stück Kunst, und ich habe nicht ganz umsonst zu Düsseldorf die Musen gegrüßt. Christiane, merkst du was?« Er war aufgestanden und hatte die Gläser frisch gefüllt. »Und nun wollen wir das Verbrüderungserzeugnis von Kunst und werktätigem Leben in diesen beiden Fahnenjunkern leben lassen. Das Ingenieurwesen und seine beiden jüngsten Jünger: hoch, hoch und zum dritten Male — hoch!«
Sie standen im Kreise und stießen leuchtenden Auges miteinander an. Und Arnold Opterberg umarmte die Gefeierten und rief: »Jungens, am liebsten zög’ ich mit euch. Aber ich besuche euch oft! Darauf könnt ihr das Abendmahl nehmen.«
Die Wahl der Hochschule wurde zur Erörterung gestellt. Das wurde ein lustig Streiten. Die Namen Karlsruhe, Darmstadt, Aachen mißfielen Arnold Opterberg durchaus. Er wünschte Klang und Farbe in ihnen zu spüren wie in Freiburg, Heidelberg, Bonn.
»Aber Vater, es geht um eine technische Hochschule.«
»Lari fari, es geht in den ersten Semestern darum, daß ihr irgendwo eingeschrieben seid und belegt. Denn ihr wollt doch zunächst Studenten werden und dann erst Ingenieure. Grundgütiger Gott, da sollte mir einer die Wahl freistellen!«
Martin Opterberg strahlte Christoph Attermann an. Der wiegte bedächtig den Kopf.
Frau Christiane ließ ihre Augen wandern, von einem zum andern hin.
»Es ist Männersache,« hob sie an, als sie zum Sprechen aufgefordert wurde, »und die Frau kann zu dieser Frage wohl nur das Gefühl reden lassen.«
»Laß es reden, Mutter,« riefen die Jungen wie aus einem Munde.