»Gut, ihr Buben, aber es ist nur eine Meinung und beileibe keine Beeinflussung. Ich mein’ halt so in meinem Frauen- und Muttersinn: Gewiß werdet ihr zu allererst nicht gar zu viel schaffen und euch hinter den Büchern vergraben, weil ihr erst just von den Büchern kommt. Eure Jugend wird nach dem Leben greifen und nach den tausend Eindrücken in der neuen Umgebung und in der neuen Freiheit. Das ist Jugendrecht und auch wohl der notwendige Ausgleich, und ich gönn’s euch von Herzen. Ihr sollt als Männer nicht sagen dürfen, ihr hättet in der Jugend ein Versäumnis begangen, dem ihr nachtrauern müßt.«

Arnold Opterberg griff nach seinem Glase und trank es aus. Die Jünglinge sahen es und schwiegen. Ihre Blicke kehrten zur Mutter zurück. Und Frau Christiane fuhr fort:

»Es mag Ausnahmen geben, die den Jugendschwang nicht brauchen. Ich halt’ nichts von diesen Ausnahmen, die die Freud’ als Zeitvergeudung betrachten, wie ich auch von altklugen Kindern nichts halte. Nur die Freude hebt uns über den Kleinkram des Lebens hinaus, und nur aus der Freude wird die rechte Arbeit geboren. Also lernt in Gottes Namen die Freud’ in jederlei Gestalt kennen und wählt euch die rechte aus zur Erinnerung. Ich würde dazu Freiburg wählen, weil es so mitten in unseres Herrgotts Schwarzwaldgarten liegt und weil es euch, bevor ihr euch an die eigentliche und ernste Lebensarbeit macht, noch einmal die Heimat lieben lehrt in allen ihren Wundern. Dann mögt ihr weiter.«

Frau Christiane nickte ihren Buben zu und ließ den Blick in den Abend wandern. Und die Buben sprachen erregt durcheinander und besprachen die Fächer, die sie auch in Freiburg belegen könnten: Mathematik, Geologie, Chemie, Physik.

Das schwirrte durcheinander …

Vorbei der Schulzwang. Vorbei das jähe Auffahren im Morgendämmern mit dem ersten Blick nach der gnadenlosen Uhr. Fünfmal gellte auch heute ihr Schlag. Marsch, auf den Weg, durch Feld und Wald, durch Wetter und Wind zur fernen Eisenbahn, die nicht wartet! Martin Opterberg streckte sich wohlig in seinem Bett: »Schlag du fünftausendmal. Deine Macht ist aus. Ich bin ein Freiherr geworden.«

Christoph Attermann aber erhob sich ruhig aus seinem Bett und begann ein großes Wasserplätschern.

»Heda, Student,« rief ihm Martin Opterberg lustig aus den Kissen zu, »du träumst dich wohl eben in deine Kinderzeit zurück? In die Klappe, Fuchs! Wir singen als Morgenlied: Frei ist der Bursch!«

»Die Mutter ist auf, Martin. Ich höre sie schon. Da möcht’ ich ihr Gesellschaft leisten.«

»Grüß sie von ihrem traumseligen Sohn.«