»Ja, Frau Pate, der Martin hat’s mir zuvorgesagt.«

Frau Christiane hob den Kopf und lugte einen Augenblick lang nach dem Stückchen Himmel, das hoch oben über der engen Felsschlucht eine Handbreit blaute. Und sie schob jedem der Knaben eine Hand unter das Kinn, hob ihnen den Kopf und senkte den Blick geruhig forschend in die Augen der Knaben.

»Das Kristallene, wißt ihr, das Kristallene, das haben die Menschen im Blick, die scharf zuschauen müssen im Leben, daß ihnen nicht der Weg verrammelt wird, und die sich nicht fürchten dürfen, über die Hindernisse hinüberzusetzen, wenn er ihnen doch verrammelt wird.«

»Die in den Bergen leben, haben es,« sagte Christoph Attermann, ohne das erhobene Kinn in ihrer Hand zu regen.

»Und die Leute der Tiefebene auch, die auf der See fahren,« sagte Martin Opterberg, und er suchte in dem Blick der Mutter.

»Seht ihr es wohl,« entgegnete sie, »einer allein findet es nicht, und es müssen schon zwei Gefährten sein, um sich auf das Richtige zu bringen. Der Berg hat’s nicht allein, und die Tiefebene hat’s nicht allein. Die Höhe des Lebens hat’s, die den Dingen in die Seele blickt, und die Weite des Herzens, die sie umfaßt, um jed’ Ding in seiner Art lieben zu lernen. Nur scharf zuschauen muß man, und man findet in jedem Ding und Menschenkind ein Bröselein Schönes oder Vergnügliches. Was wäre es sonst mit dem Glück …«

»Mutter, hab’ ich auch das Kristallene?«

»Und ich, Frau Pate?«

»Narrenbuben ihr. Ein Weniges. Aber es hat noch Zeit mit euch.«

Und sie zog die beiden Knabenköpfe mit einer mütterlichen Gebärde an ihre Brust.