»Dann wollen wir es nicht erst groß wachsen lassen. Sprich tapfer drauf los.«

»Mutter,« sagte Christoph Attermann, »es wäre wohl am Platze, daß ich dir aus tiefstem Herzen dankte für alles, was du an mir getan hast. Von der Muttermilch an, die du mir gegeben hast wie deinem eigenen Sohn. Aber schau, da stock’ ich schon. Denn dafür allein, daß du mich an deine Brust gelegt und mich gesäugt hast, dafür wär’ mir ein Dank wie ein anmaßlich Wort, weil die Gabe zu unfaßlich hoch darüber steht. Und ich bin auch gar nicht gekommen, dir zu danken, weil ich ja von deiner Liebe gar nicht loslasse und immer wiederkommen werd’ und gar keinen Abschluß find’.«

»So ist’s recht,« ermunterte Frau Christiane. »Es ist recht, weil es das Selbstverständliche ist. Und nun sag das Deine.«

»Mutter,« hob Christoph Attermann von neuem an, »der Martin und ich, wir sind Brüder. Aber der Martin ist ein Opterberg-Erbe, und ich bin ein Attermann-Erbe, und danach muß ich jetzt den Weg, der in die Selbständigkeit führen soll, richten. Es wär’ sonst ein falscher Ton in unserem brüderlichen Verhältnis, und ich gäb’ mir einen Anstrich auf seine Kosten. Ach, Mutter, lach nicht. Du hast mir bei der Einsegnung vor Jahren vorgezeigt, daß der Erlös aus meinem Väterlichen und Mütterlichen die Summe von sechstausend Mark getragen habe. Wie ich mir mein Studium einzurichten gedenk’, wird’s auskömmlich reichen. Aber die Freud’, mit dem Martin gemeinsam das Studentenleben zu betreiben, werde ich aufstecken müssen. Darum bleiben wir uns doch die gleichen und gehen als Männer wieder Hand in Hand.«

Frau Christiane schaute angestrengt in die aufsteigende Sonne.

»Nun sprich auch jetzt, daß ich Recht hab’, Mutter, und nimm mir den Druck.«

»Christoph,« sagte Frau Christiane und blickte immer noch in die junge Sonne, »ich muß dir ein Geständnis machen. Mit den sechstausend Mark stimmt’s nimmer.«

Über die breite Stirn Christoph Attermanns zog eine brennende Scham. »Verzeih, Mutter,« stammelte er, »ich hab’s in meiner Gedankenlosigkeit nicht berechnet. Das Schulgeld und die Erziehungskosten —«

»Du Narr,« sagte Frau Christiane, ohne den Blick aus der Höhe zu wenden, »sollen wir etwa gegeneinander aufrechnen? Was der Opterberghof an dir gehabt hat und du am Opterberghof? Nein, es ist eine viel größere Leichtfertigkeit, als du es ahnst, und ich muß mit der Sprache heraus. Also ich hab’ — ich hab’ mit deinen sechstausend Mark — kurz, ich hab’ damit, wie man an der Börse sagt, spekuliert.«

»Spekuliert?« Christoph Attermann lachte, wie von einem Alb befreit. »Und hin ist’s?«