»Mutter,« stammelte Christoph Attermann, »was sag’ ich nur zu all deiner Liebe …?«
Zu ihren Füßen brauste und schäumte der junge Rhein, kristallen und blau, wie er aus den Bergen kam, in denen seine Quellen lagen.
»Wenn sie dich zu viel dünkt,« sagte Frau Christiane, »so gib dafür von deiner an Martin,« fuhr ihm durchs Haar und ging ins Haus. —
Noch einmal gab es in der Osterwoche Becherklang im Giebelturmzimmer. Professor Barthelmeß war gekommen inmitten seines Familienlebens. Seinem ältesten Sohn Bernhard war, in Anbetracht, daß man ihn zur Rekrutenmusterung vorgeladen hatte, von der Schule nach hartem Kampf das Einjährigenzeugnis bewilligt worden, und die Brüder Fridolin und Hartwig hatten es gleichzeitig erhalten, weil sie die Erklärung abgaben, sich nicht einem wissenschaftlichen, sondern einem künstlerischen Berufe widmen zu wollen.
»Was ihnen der Vater geben kann, vermag ihnen nicht Schule und nicht Hochschule zu geben,« erklärte Professor Barthelmeß feierlich. »Ich werde meine drei Söhne der christlichen Kunst zuführen. Sie erhebt über den Alltag und nährt ihre Jünger.«
Als Martin Opterberg vom Vater ausgeschickt war, neuen Wein in die Giebelstube zu holen, und mit den Flaschen im Arm die Giebeltreppe hinaufgestiegen kam, huschte ihm die zwölfjährige Sabine Barthelmeß entgegen.
»Gib mir schnell einen Kuß, Martin. Daß du an mich denkst.«
»Bist du toll, Mädel?«
Sie stand eine Treppenstufe höher als er, beugte sich schmiegsam vor und küßte ihn auf den Mund, bevor er, die Flaschen im Arm, abwehren konnte, huschte vor ihm die Treppe hinauf ins Zimmer zu den anderen und saß bei seinem Eintritt mit unschuldig gesenkten Augen.
Vierzehn Tage darauf trafen Martin Opterberg und Christoph Attermann in der alten Musenstadt Freiburg ein, um schon am nächsten Morgen als Füchse der Burschenschaft zu erwachen.