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Bindet die Klingen! — Los! — — Halt!«
Immer wieder dieselbe helle Befehlsstimme. Immer wieder dasselbe leise Sirren der Stahlklingen und ihr hartes Aufdröhnen auf dem schweißfeuchten Filzdeckel.
»Was, ihr Füchse? Das treibt den Kneipendunst besser aus den Schädeln als die schönste Knetkur beim Herrn Hofbarbier. Auf die Mensur — los! Terz! Quart! Mit der Klinge fangen, nicht mit dem Kopf! Der Hieb ist die beste Deckung! Allemal! — Halt!«
Prustend schälte sich Martin Opterberg aus dem wulstigen Fechtzeug. »Den Donner auch,« raunte er Christoph Attermann zu, der in der Ecke des Fechtsaals neben ihm stand und sich aus der Halsbinde löste, »da sing’ noch einer: ›Frei ist der Bursch!‹ Mit den Eulen ins Bett und mit den Hühnern heraus. Ich hab’ keine drei Stunden Nachtruhe gehabt.«
»Ging’s mir anders, Martin? Aber der Fechtwart hat Recht: der Dunst von der gestrigen Kneipe ist ’raus aus dem Schädel. Saufen kann jeder, aber Freiheit heißt doch wohl: frei werden durch Pflichtenerfüllung.«
»Rechnest du den Frühschoppen nachher und den Mittagsbummel und die Nachmittagsspritzfahrt und die Abendkneipe ebenso zu den Pflichtenerfüllungen wie in der Frühe den Fechtboden?«
Christoph Attermann lachte gutmütig.
»Martin, wenn ich’s noch wär’, der so sprechen wollt’. Dir wächst ja alles von selber zu. Den Schläger handhabst du schon wie ein alter Fechter, daß sie dich sicher schon vor Ende des Semesters auf die Fuchsenmensur herausstellen werden, und beim Bechern und Singen wirst du nicht müd’, bis der letzte nach Hause strebt. Ich muß mir das alles mühsam erlernen und schimpf’ doch nicht.«
»Hei, weshalb schimpfst du nicht?«