»Weil ich mir denk’, die Verbindungserziehung ist vonnöten, damit man zu jeder Stund’ sich zusammenreißen lernt und nie außer Rand und Band kommt. Wer einmal befehlen will, muß sich selber gehorchen können. Und das weiß keiner besser als der Martin Opterberg, und wenn er erst gewaschen und gestriegelt ist und die Mütz’ auf dem Kopf hat und das Band um und zieht durch die Straßen Freiburgs, ›fast als wollt’ er eine suchen, die die Allerliebste wär’,‹ wer jubelt da am lautesten sein ›Frei ist der Bursch‹?«
»Ach, Christoph,« sagte Martin Opterberg und legte dem Freund den Arm um die Schulter, »es ist doch wunderschön …« Sie zogen über die Straße und kamen an der Universität vorbei.
»Gehen wir einen Augenblick hinein, Martin?«
»Hinein? Schau dir einmal den festen Bau an. Der läuft uns nicht so leicht weg.«
»Aber wir laufen ihm weg, weil wir gar so lose gebaut sind, und das säh’ doch weiß Gott aus wie blasse Angst und Kneiferei. Hält’s dein Hirn nicht aus nach dem bißchen Kneipen?«
»Also komm schon herein, du Quälgeist. Mein Hirn hält sämtliche Herren Professoren aus, aber ich mein’, ein Kolleg genügt für heut, um ihnen die Ehre zu erweisen.«
So zogen sie ein und drückten sich in die Bänke, und als sie wieder in die Frühlingssonne traten, grüßten sie erst ein Rudel frischer Studentinnen und ließen die lachenden Mädel an sich vorüberstolzieren, bevor sie den Frühschoppen aufsuchten.
»Prachtmädel darunter, Christoph. Mit denen müßte sich gut in den Schwarzwaldbergen wandern lassen.«
»Du wärst imstande dazu.«
»Du vielleicht nicht? Wer redete denn vorhin so hoch daher von blasser Angst und Kneiferei, als es galt, mich ins Kolleg zu schleppen? Umschichtig, Christoph. Jetzt ist die Reihe an mir, und du bist mein.«