»Es sind Medizinerinnen, Martin. Man trifft sich kaum.«
»Was sonst noch? Von morgen an schieben wir medizinische Kollegs ein. Ohne Beleggelder. Selbstverständlich. Der Professor wird sich freuen, zwei Hörer mehr um seine Weisheit versammelt zu sehen. Ach, Brüderlein, stachle du noch mal meinen wissenschaftlichen Eifer an.«
Auf dem Franziskanerplatz plätscherten die Wasser des roten Sandsteinbrunnens. Vom Säulenschaft sann ein steinerner Mönch. Berthold Schwarz war’s, der Freiburger Franziskaner.
»Wenn der nicht gelebt hätt’, wär’ die Menschheit glücklicher,« lenkte Christoph Attermann das Gespräch ab.
»Du meinst, wenn der Berthold Schwarz nicht das Pulver erfunden hätte. Ach Christoph, die Menschheit würd’ sich nur auf andere Weis’ umbringen. Entweder sie balgen sich um eine schöne Helena, oder um den lieben Gott, oder um einen verprügelten Grenzaufseher. Die Hauptsache ist, daß sie die Windklappe öffnen und sich balgen können. Und wenn der Fuchs da drüben in seiner stolzen Farbenpracht sich noch ein einziges Mal erdreistet, mich anzuäugen, während ich hier vor Weisheit triefe, so werde ich ihn sofort einmal ansegeln und — —«
»Jedenfalls hätten die Schulmeister ihr schönstes Sprüchlein weniger, wenn der Berthold Schwarz nicht das Pulver erfunden hätte,« lenkte Christoph Attermann in Gemütsruhe nochmals ab. »Links schwenkt, Martin. Wir sind die letzten zum Frühschoppen, wie immer.«
»Natürlich!« rief Martin Opterberg und betrat hochaufgerichtet die Wirtschaft. »Wenn du mich Tag für Tag ins Kolleg verschleppen mußt!«
Die Burschenschaft saß beim zweiten Glas. Man ließ die Zuspätkommenden das erste Seidel restlos leeren. »Zur Dämpfung lasterhafter Streberei vor Mitternacht,« erklärte der Fuchsmajor Tillmann, ein großer und schöner Mensch, der sich der Kunstgeschichte verschrieben hatte. »Sah ich euch nicht mit nüchternem Magen ins Kolleg schlüpfen, während ich am Fenster die Morgenpfeife reinigte? Auf trockenem Boden wird der Halm zu Stroh, und die Hähne, die allzufrüh krähen, sind schon um Mittag heiser. Laßt ab von der Überheblichkeit gegen eure Mitmenschen.«
»Die Junker vom Opterberghof wünschen beizeiten Minister zu werden,« lobte ein narbenbedeckter Bursch in ausgezeichneter Haltung. »Ich halte mich Euren Gnaden sehr empfohlen.«
»Der Grüters,« bemerkte sein Nachbar, ein hoch- und breitgewachsener Student mit ruhigem Blick, »schlägt überall seine Nägel ein und denkt in seinem schönen Sinn: irgendwo und irgendwie muß der Hut mal hängen bleiben.«