»Prosit, Christophel. Die mit dem Sonnenkrönlein im braunen Haar! Menschenskind, und die mit dem Herzausschnitt im weißen Kleidel! Und die mit der schlanken Fessel am Fuß!«

»Und das hast du alles mit einem Blick gesehen?«

»Mehr, viel mehr! Vier rote Herzlein hab’ ich gesehen, und ich hab’ nur eins, und du hast nur eins. Was sollen wir tun als trinken? Auf aller schönen Mädchen Wohl!«

»Eine ist mehr, Martin. Vielleicht ist sie darunter. Müh’ muß man sich geben und warten können.«

»Was warten! Heute scheint die Sonne! Morgen kann’s regnen! Heute ist heut!«

Wohlgefällig schauten die älteren Burschen auf den flammenden Fuchsen. Sie tranken ihm zu. Sie lobten seine gute Haltung beim heißen Becher und seine Sicherheit und Gewandtheit beim kalten Schlägereisen. Man besprach den Tag seiner ersten Mensur und nahm ihn in nahe Aussicht. Ein Hinreißendes ging von Martin Opterberg aus, das die Jüngeren mit hinein in die Begeisterung trieb und die Älteren freundlich lächeln machte, und Christoph Attermann ging es durch den Sinn: Da schlägt Arnold Opterberg, der Vater, die Augen auf, während Frau Christiane schaffensmüde schlummert …

Am Tage, nachdem Martin Opterberg zur Freude der Burschenschaft siegreich seine erste Mensur geschlagen hatte, gelang es ihm, sich mit den jungen Studentinnen bekannt zu machen. Er hatte im Kolleg seinen Platz neben ihnen gefunden, und da sein Verband, der eine kleine Stirnverwundung deckte, ins Rutschen gekommen war, so hatte ihm seine Nachbarin, Therese Baumgart, nach Schluß der Vorlesung den Wickel neu befestigt. Er hielt ganz still, während die kühle Mädchenhand über seine Stirn glitt, bedankte sich wohlerzogenerweise und bat darum, auch den anderen Kameradinnen vorgestellt zu werden. Christoph Attermann schaute atemlos zu. Er tat eine Verbeugung, wie vor einem Heiligenbild, als er aufgerufen und frischweg in den Kreis eingegliedert wurde.

Heute wanderten sie nur hinaus in die Anlagen der Stadt, denn die Mädchen hatten den frühen Nachmittag mit Vorlesungen belegt. Aber es war bald so viel lustiges Wortgefecht und Jugendlachen zwischen ihnen, daß die Stunde sie vertrauter machte als lange Wochen, sonderlich, weil Martin Opterberg in den schattigen Baumgängen immer wieder den Verband verschob und von den feinen Mädchenhänden Therese Baumgarts Hilfe heischte.

»Sie wollen nur zeigen, daß Sie ein wundenbedeckter und ritterbürtiger Mann sind.«

»Warum haben Sie so stille, mütterliche Hände, Fräulein Baumgart?«