Acht Tage darauf focht Martin Opterberg seine zweite Mensur. Auch diesmal siegreich, wenn er auch einen schlankgeführten Durchzieher auf der Wange heimzutragen hatte.
»Christoph,« fragte er, »ob wir zum Theresel laufen?«
»Narr du. Wenn du so fortmachst, gründest du allein ihr die Praxis.«
»Sag, Christophel, gefällt sie dir nicht auch? Oder ist’s die andere mehr, die im Walde das Sonnenkrönlein im braunen Haar trug, oder die mit dem Herzausschnitt im weißen Kleidel, oder die mit der schlanken Fessel am Fuß? Siehst du, ich hab’ alles wohl behalten, aber von Namen hab’ ich nur den einen der Therese Baumgart behalten.«
»Sie trug die Laute,« sagte Christoph Attermann, »aber sie trug auch ein Sonnenkrönlein im braunen Haar und einen Herzausschnitt im weißen Kleidel und die schlanke Fessel am Fuß. Du hast sie alle für eine genommen.«
»Ach, wer das könnte, Christoph, und das Leben allweil für einen Freiburger Sommer nehmen.«
»Die andere mit dem braunen Haar,« sagte Christoph Attermann, »heißt Hilde Falkenroth und ist bei Koblenz gebürtig, und die beiden Blonden sind Schwestern, Elfriede und Gerda Klarenbach aus Düsseldorf. Nun verwechsel’s nimmer.«
»Wenn ich Glück hab’, verwechsel’ ich’s, Christophel. Sie sind miteinander hübsch.«
Und wieder eine Woche, da gab’s ein groß Hallo in der Burschenschaft. Christoph Attermann hatte auf der Straße einem Studenten die Mütze vom Kopf gefegt, als der frech eine Studentin angeredet und behelligt hatte. Eine Forderung auf Säbel war gekommen, und Christoph Attermann hatte noch nicht auf der ersten Mensur gestanden. Trotzdem beharrte er darauf, die Partie sofort auszutragen. Vierzehn Tage Einpaukzeit wurden hüben und drüben bewilligt.
Alle Überredungskünste bot Martin Opterberg auf, um den Freund zu bestimmen, ihn vorzulassen. »Du sagst, es sei die Therese Baumgart gewesen, und ich bin im Säbelfechten weiter als du.«