»Aber ich hab’ den größeren Zorn, Martin.«

»Wie kannst du das meinen, Christoph. Ich mag das Theresel so gut leiden wie du.«

»Alldieweil hab’ ich den Zorn für euch beide und für mich dazu.«

Kaum kamen sie noch vom Fechtboden herunter. Martin Opterberg hatte es nach heißem Bitten und Drängen durchgesetzt, daß er dem Freund und Bruder als Sekundant zur Seite stehen dürfe. Da er auf dem Fechtboden einen glänzenden Beweis seiner Säbelfertigkeit lieferte, hatte es ihm die Burschenschaft zugestanden.

Beim ersten Gang klaffte Christoph Attermann die Stirn. Er ließ ruhig das Blut stillen und trat, trotz Abratens, von neuem an. Martin Opterberg hatte ihm mit zusammengebissenen Zähnen zugenickt; er hatte des Freundes Gegner zu leicht gewertet und brannte darauf, die Scharte auszuwetzen. Er riß sich zusammen. Er bekam den klaren, blanken Blick der Mutter. Jeden gefährlichen Hieb fing er mit der Klinge weg, ruhig und kalt, jeder Bewegung des Freundes schaffte er Raum, jedem schweren Atemzug. Fast war die Partie zu Ende gekämpft, da erfaßte er blitzschnell eine Blöße des Gegners und blitzschnell das Auge des blutüberströmten Freundes. Wie eine Gedankenübertragung war’s von Bruder zu Bruder im Bruchteil der Sekunde. Und Christoph Attermanns Klinge schnitt tief hinein in des Gegners Schwertarm, daß er den Säbel lassen mußte.

»Den Sieg dank’ ich dir, Martin. Ich war zu End’. Im nächsten Augenblick hätt’s mich gehascht.«

Am nächsten Tage geschah etwas Lustiges. Mädchenfüße huschten die Treppe hinauf zur Wohnung der Brüder, Mädchenfinger klopften an die Stubentür. Und auf ein zweistimmiges »Herein« trat Therese Baumgart mit ihren Freundinnen ins Zimmer.

»Bleiben Sie liegen, Herr Attermann. Wir kommen nur im Husch. Aber ich mußt’ unbedingt selber sehen, was mit Ihnen ist, denn ich bot die Ursache.«

Sie drückte ihn, da er sich erheben wollte, auf das lederne Kanapee zurück und blickte nach dem Verband. »Ist es arg bös?« fragte sie den lachenden Martin Opterberg.

»Geblutet hat er wie ein Öchslein, aber geschlagen hat er sich wie ein wütender Eber.«