»Der Martin hat’s geschafft, Fräulein Baumgart. Er hat mir beigestanden wie der Erzengel Michael mit dem Schwert, und ohne seine überlegene Fechtkunst hätt’ ich mit Ihrer schönen Sach’ am Boden gelegen.«
»Der Christoph hat’s Fieber und faselt. Fassen Sie seinen Puls.«
Sie faßte Christoph Attermanns Hand und hob dabei die Augen zu Martin Opterberg.
»Es ist wohl gleich, wem ich den Puls fühl’. Bei Ihnen beiden scheint mir alles wie mit Rädchen ineinander zu greifen. Aber ich bitt’ Sie herzlich, machen Sie nicht wieder solche Dummheiten wegen meiner. Wenn’s mich auch diesmal arg gefreut hat. Das sag’ ich ehrlich.«
»Es wird Sie schon keiner wieder behelligen, Fräulein Baumgart,« knurrte der Wunde.
»Keiner außer uns,« rief der übermütige Freund. »Sie und die Kameradinnen. Sie müssen uns schon ein ganz klein wenig zu gute halten, weil Sie gar so hübsch sind.«
Da lachten die Mädchen wie fröhliche Kinder, und die Therese Baumgart drückte Christoph Attermanns Hand und sagte: »Ich danke Ihnen recht, recht sehr, und wir sind Freunde.«
Aus einem Seidenpapier nestelte sie ein paar Rosen und bot sie ihrem Ritter dar. Christoph Attermann aber bestand darauf, daß die eine der Martin erhalten müsse, ohne den er’s nicht zu Ende geführt hätte, und Martin Opterberg küßte der Spenderin in jungenhafter Freude die Hand. Da wagte es auch der Christoph. —
»Also so leben wir alle Tage! Die schönsten Mädchen und die rotesten Rosen! Und bei all der Sonne draußen keine Spur von Bücherstaub drinnen! So lob ich’s mir, so lob ich’s mir in Ewigkeit. Amen. Willst du mich erwürgen, Junge?«
»Vater!« hatte Martin Opterberg geschrieen und sich dem Mann, der in strahlendem Vergnügen im Türrahmen stand, an den Hals geworfen. »Der Vater ist gekommen, der Vater —«