Und schon war auch Christoph Attermann auf den Beinen und bemächtigte sich der Hände des lachenden Mannes, und Arnold Opterberg rief ihnen zu: »Nette Herren Söhne, das muß ich bekennen. Außerordentlich erkenntliche Jünglinge. Wer war’s, der mich einmal zur Kneipe einladen wollte? Versunken und vergessen, der alte Eulenvogel im Turm. Und als er dennoch den Flug wagt, findet er verbundene Köpfe, an die kein Becher heranreicht.«

»Sag das nicht, Vater! Die Kruste auf der Backe ist mir nicht mehr hinderlich, und der Christoph hat auch den Mund frei!«

»Allemal!« rief Christoph Attermann. »Und wenn ich auf dem Kanapee angebunden würd’, heut ging’s hinaus! Gelt, Fräulein Baumgart, von Fieber keine Spur.«

»Gestatten Sie, meine Damen,« sagte Arnold Opterberg mit einer ritterlichen Verneigung, »daß ich mich Ihnen selber vorstelle. Ich bin der Vater dieser aus Rand und Band geratenen Jünglinge. Sie sind, wie ich sehe, auf einem Krankenbesuch. Dem zerschlagenen Kopf schadet es nicht. Aber wird es das Herz aushalten?«

Hastig nannte der Sohn die Namen. »Studentinnen der Medizin, Vater, und liebe und verehrte Freundinnen dazu.«

»Lieb — und verehrt,« wiederholte Arnold Opterberg, ließ seine aufleuchtenden Augen in die Runde gehen und drückte jedem der erglühenden Mädchen kräftig die Hand. »Gut, daß die Buben die erlösenden Worte sprachen. Ich hätte sie sonst vom Fleck weg in die Augenklinik geschafft.«

»Wir wollten uns verabschieden und dürfen es jetzt,« sagte Therese Baumgart und blickte aus ruhigen und unbefangenen Augen auf den Vater ihrer Freunde. »Es war eine große Ehre für mich, Herr Opterberg.« Und sie knixte in verehrungsvoller Achtung.

»Reißausnehmen? Weil der alte Sturmvogel seine Jungen besucht? Seh’ ich wirklich so zerzaust und zerfleddert aus, daß die holdeste Jugend vor mir von dannen stiebt? Oder schämen Sie sich des Bäuerleins vom Lande?«

Da lachten die vier Mädchen hellauf und schauten voll Bewunderung an dem kraftvollen Mann empor und in das braune, kühne Gesicht. Und Arnold Opterberg zog mit jedem Arm zwei der schlanken Mädchengestalten an sich und befahl: »Wir bleiben zusammen, bis es Sturm läutet zur Männerkneipe. Auf in den Stadtgarten! Es soll eine Kuchenschlacht geschlagen werden, als gält’ es dem Erbfeind.«

»Ihr lieben und schönen Kinder,« sagte Arnold Opterberg, als es Abend wurde nach dem fröhlichen Schmausen im Freien, »es ist Sommer geworden, und das Semester neigt sich dem Ende. In wenig Wochen sind die Ferien da. Ferien! Wie das klingt! Nach blauen, glückseligen Tagen klingt es, nach rauschenden Wäldern und springenden Quellen, nach einer wunderbaren Wanderfahrt durch die Schwarzwaldberge und dem gastlich winkenden Ziel — dem Opterberghof. Seid meine und meiner Frau Christiane Gäste, ihr lieben, schönen Kinder.«