Die Mädchenaugen weiteten sich. Wanderseligkeit sprang in ihnen auf. Winkende Fernen. Glücksstaunen und Jugendlust. In Therese Baumgarts Augen schimmerte es ein wenig feucht. Sie beugte sich über die Hand des frohspendenden Mannes. »Wir kommen gern.«

Am Abend desselben Tages — oder war es die Sommernacht — oder war es der Jungmorgen — mußten auf dem Kneiphaus selbst die unverzagtesten Burschen, die Tillmann, Broich und Grüters die Waffen strecken. Christoph Attermann, der wunde, hatte das Feld um Mitternacht geräumt. Arnold Opterberg schritt mit seinem Sohne als Sieger in den Morgen.

»Eine gute Kur, trotz deiner Medizinerinnen. Um zwanzig Jahre hat’s verjüngt. Das machen wir öfter, Martin. Gleich alt sind wir. O Jugend, Jugend —!«

Die drei unverzagtesten, die Tillmann, Broich und Grüters, hatte Herr Arnold auch auf den Opterberghof geladen. Professor Barthelmeß war mit den Seinen in den Rheingau hinübergesiedelt, wohin er zu langjähriger und lohnender Arbeit berufen war, und Herr Arnold Opterberg ertrug die Einsamkeit des Zechertisches nur mit Widerstreben.

Wohl hatte Frau Christiane zunächst verwundert den Kopf geschüttelt, als sie durch den heimgekehrten Gatten von dem Massenbesuch erfuhr, dann aber bald eine Kiste mit Mundvorrat für neun hungrige Wanderer gepackt und nach Freiburg gesandt, damit die Studenten und Studentinnen ihren Rucksack daraus füllten, denn sie sollten sich vom Tage ihres Abmarsches an als Opterbergsche Gäste fühlen. Das rief einen großen Jubel in der Musenstadt hervor.

Und hinaus ging’s an einem silbrigen Frühmorgen, hinaus und hinauf auf den Schauinsland, immer der Sonne entgegen. In Kniehosen und leinenem Hemd marschierten die Burschen, in hellen, fußfreien Kleidern die Mädchen, den Lodenmantel für die Berg- und Waldesrast über den Rucksack geschnallt. Jeder trug das seine, und die Therese Baumgart trug dazu am breiten Band die Laute. Da schwangen die Füße von selbst zum Marschklang der Saiten, und federnd wie zum Tanze ging’s auch die steilsten Hänge hinan. Vom Schauinsland glitt der Blick noch einmal rückwärts in die Ebene. Zwischen den Hügeln träumte Freiburg. Grüß dich Gott, du alte, liebe Stadt. —

Weiter, weiter! Wer schaut rückwärts, wenn Jugend marschiert? Eine halbe Stunde noch, und sie fielen im Gasthaus auf der Halde ein, ließen sich von dem trefflichen Wirtspaar einen Kaffee kochen und verzehrten unter Jubelausbrüchen über Frau Christianes Gaben das Frühstück. Und wieder in den rauschenden Tannenwald, der immer dichter, immer geheimnisvoller seine bärtigen Stämme aneinanderschob, und auf schmalen Fußwegen im Einzelmarsch hintereinander bergauf, die Lautenspielerin voran. Scherzworte und Neckrufe flogen die Reihe hinauf und hinab, bis der Zug noch einmal umgeordnet war, hinter jedem Mägdlein ein übermütig Bürschlein, und da eins sich zuviel erwies, machte Martin Opterberg ritterlich den Führer. Über den waldesdunklen Notschrei führte er durch die tiefe, smaragdene Bergwälderpracht, bis in praller Mittagssonne der Riesenrücken des Feldbergs sich vor ihnen reckte und dehnte.

»Atempause,« bat Grüters, der Staatswissenschaftler.

»Abgelehnt!« rief Broich, der Jurist.

»Der Damen wegen,« verteidigte sich der Diplomat.