»Den Damen den Arm! Nachher steigt sich’s noch einmal so schön.«
Schon hatte Broich den Arm Hilde Falkenroths, der Koblenzerin, in dem seinen und stieg bequem pfadan. Grüters und Tillmann folgten mit den beiden Düsseldorferinnen, den Schwestern Klarenbach. »Wen wähle ich?« fragte Therese Baumgart. »Uns beide,« sagte Christoph Attermann, »denn es ist das gleiche.« Und die Buben vom Opterberghof nahmen sie in die Mitte. Martin Opterberg aber erhob trotz des Anmarsches seine helle Stimme:
»Schöne Mädel führt der Bursch zum — Hastdunichtgesehn —
Schöne Mädel führt der Bursch zum Tanz!«
Droben standen sie auf dem Feldbergturm, und all das nahe und ferne Märchenland der Schwarzwaldberge, der Alpenwelt und der Vogesenkette schlug seinen Bann um sie. In atemlosen Schauen standen sie und tranken die Schönheit der deutschen Welt.
»Nicht reden. Nicht reden.«
Sie lasen es sich noch an den Augen ab, als sie schon weiter wanderten, den kahlen, langgestreckten Feldbergrücken entlang, und auf vorgeschobener Platte lagerten, den staunenden Blick hinabgesenkt in die einsamen Schluchten, aus deren einer fernher der Zauberspiegel des Titisees aufblitzte wie ein Irrlicht. Und wortlos fast und doch innerlich flüsternd und singend wanderten sie weiter, und ein jeder Bursch führte, als wäre es nun ein selbstverständliches, sein Mädchen weiter am Arm, und die Lautenspielerin schritt zwischen den Opterbergbuben. Abwärts den Feldberg und hinauf zur Schutzhütte des Herzogenhorns.
Am Lagerfeuer hatten sie abgekocht. Die Mädchen boten die Speisen, und die Burschen kredenzten in zinnernen Bechern den Wein vom Kaiserstuhl. Dann wob der Sommerabend sein seltsam durchsichtig Blau, und sie all zogen sich zu einem engeren Kreis zusammen und lagerten im Moos um einen Eichenstumpf, von dem das weiße Kleid der Therese Baumgart im Mondlicht leuchtete. Ihre Mädchenwange koste den Lautenhals, als sie sang und spielte.
Jugendlieder. Sehnsuchtslieder. Und die Hörer lagerten Hand in Hand.
»Noch ein letztes,« bat Martin Opterberg, der als einziger aufrecht an einem Baum lehnte und nicht wußte, wie er einer nie gekannten Ergriffenheit Herr werden sollte.